Das Bündnis Sahra Wagenknecht (BSW) fürchtet um den Einzug in zwei Landesparlamente und sucht nun den Schulterschluss mit der AfD. Ein entsprechender Brief von BSW-Gründerin Sahra Wagenknecht an die AfD-Vorsitzende Alice Weidel liegt dem SPIEGEL vor. Darin werden auch konkrete Regierungspläne formuliert.
Wagenknecht wirbt um Zusammenarbeit
In dem Schreiben, das am 29. Juni 2026 datiert ist, zeigt sich Wagenknecht besorgt über die aktuellen Umfragewerte des BSW. „Wir stehen vor der historischen Chance, die politische Landschaft in Deutschland grundlegend zu verändern“, heißt es darin. „Dafür müssen wir jedoch gemeinsam handeln.“ Die BSW-Chefin schlägt eine enge Abstimmung bei den anstehenden Landtagswahlen vor, um eine Sperrminorität für die etablierten Parteien zu erreichen.
Laut SPIEGEL-Informationen enthält der Brief konkrete Vorschläge für eine gemeinsame Regierungsbildung. Wagenknecht spricht von einer „Allianz der Vernunft“, die sowohl wirtschafts- als auch migrationspolitische Schnittmengen nutzen solle. „Wir müssen die Bürger von unserer Fähigkeit überzeugen, das Land zu regieren“, zitiert das Magazin aus dem Schreiben.
BSW in Umfragen unter Druck
Das BSW liegt aktuellen Erhebungen zufolge in zwei ostdeutschen Ländern knapp unter der Fünf-Prozent-Hürde. In Sachsen und Thüringen, wo im Herbst 2026 gewählt wird, sehen Prognosen das BSW bei etwa vier Prozent. Ein Scheitern an der Sperrklausel würde das junge Bündnis in eine existenzielle Krise stürzen. Die Annäherung an die AfD wird intern kontrovers diskutiert. Wagenknecht selbst hatte die AfD in der Vergangenheit scharf kritisiert und als „rechtsextrem“ bezeichnet. Der Brief markiert daher eine deutliche Kehrtwende.
Reaktionen aus der Politik
Die AfD-Spitze hat den Vorstoß bislang nicht offiziell kommentiert. Aus Parteikreisen verlautete jedoch, man sei „grundsätzlich gesprächsbereit“. Die etablierten Parteien reagierten empört. Ein Sprecher der CDU warf Wagenknecht vor, „mit dem Feuer zu spielen“ und „die Brandmauer zur AfD einzureißen“. Die SPD bezeichnete den Brief als „Offenbarungseid“ des BSW.
Der Brief von Wagenknecht an Weidel zeigt, wie sehr das BSW um sein politisches Überleben kämpft. Ob die AfD auf das Angebot eingeht, bleibt abzuwarten. Fest steht: Die politische Landschaft in Deutschland könnte sich grundlegend verändern, sollte das Bündnis tatsächlich zustande kommen.



