Nach wochenlangem Rechtsstreit mit dem Freistaat Sachsen haben Zehntausende Menschen in Dresden für Vielfalt und Akzeptanz demonstriert und gefeiert. Der Christopher Street Day (CSD) in der sächsischen Landeshauptstadt stand kurz vor der Absage, da die Behörden das dreitägige Straßenfest nicht als politische Versammlung anerkennen wollten. Der Veranstalter musste vor Gericht ziehen, um die Veranstaltung zu retten.
Streit um Bratwurst und Politik
Das Innenministerium unter Armin Schuster (CDU) argumentierte, das Straßenfest habe „überwiegend den Charakter eines öffentlichen Festes mit kulturellen Elementen“ und diene der Unterhaltung. Als Begründung wurde unter anderem angeführt, dass eine Besucherin das Fest „während des Verzehrs ihrer Bratwurst“ als schön beschrieben habe. Schuster warnte zudem vor einem „Dauer-Ausnahmezustand“ durch drei Tage Polizeischutz auf Steuerkosten für ein Volksfest. Der Veranstalter sollte die Sicherheits- und Reinigungskosten selbst tragen.
Gerichtliche Eskalation
Der CSD-Verein zog vor das Verwaltungsgericht Dresden, scheiterte jedoch. Daraufhin meldeten die Organisatoren für jeden Tag einen Demonstrationszug an und erzielten vor dem Oberverwaltungsgericht einen Sieg. Ronald Zenker vom CSD betonte: „Pride beginnt mit Protest, mit Sichtbarkeit und mit dem Einsatz für gleiche Rechte und gesellschaftliche Teilhabe.“ Gerade in Zeiten steigender Anfeindungen brauche es einen Ort für eine offene Gesellschaft.
Prominente Unterstützung
Unter den bunt geschmückten Wagen war auch der Axel-Springer-Truck (u.a. BILD, WELT). RTL-Star Lars Steinhöfel (40, „Unter Uns“) und Schauspielerin Yvonne Woelke (47) setzten sich für Sichtbarkeit ein. Steinhöfel erklärte: „Mich stört diese Diskussion, als müsste man sich zwischen Demo und Lebensfreude entscheiden. Sichtbarkeit war schon immer der größte Gegner von Intoleranz.“ Entertainer Julian F.M. Stoeckel (39) nannte das Vorgehen der Behörden einen „Schlag ins Gesicht“ und betonte die Notwendigkeit, weiter für queere Rechte zu kämpfen.
Stimmen aus der Politik und Gesellschaft
Die Queerbeauftragte der Bundesregierung, Sophie Koch (SPD), kritisierte die Haltung des Innenministeriums: „Das sind definitiv politische Versammlungen. Es ist ein Alarmsignal, wenn das Grundrecht auf Versammlungsfreiheit infrage gestellt wird.“ Besucherin Marion (73) zeigte sich solidarisch: „Mein Lieblingsneffe ist schwul. Für mich ist das ganz normal, aber in meinem Umfeld ist das längst nicht jeder.“
Der CSD in Dresden bleibt ein Symbol für den Kampf um Gleichberechtigung und Sichtbarkeit – trotz aller Widerstände.



