Der Leiter der Gedenkstätte Buchenwald, Jens-Christian Wagner, hat der AfD vorgeworfen, den Widerstand gegen den Nationalsozialismus zu instrumentalisieren. Anlass war der Eklat bei der Stauffenberg-Gedenkfeier in Berlin, bei dem Tobias Korenke, ein Großneffe des NS-Widerstandskämpfers Dietrich Bonhoeffer, einen von der AfD niedergelegten Kranz entfernte.
Wagner: AfD instrumentalisiert Widerstand seit Jahren
„Aus den Reihen der AfD wird der Widerstand vom 20. Juli 1944 wie überhaupt der Widerstand gegen den Nationalsozialismus seit Jahren notorisch instrumentalisiert“, sagte Wagner der „Rheinischen Post“. Dies geschehe, „indem suggeriert wird, man befände sich heute wie Stauffenberg, die Geschwister Scholl oder andere im Widerstand gegen wahlweise das angebliche Corona-, das Merkel-, das Ampel- oder das Merz-Regime“.
Zudem verbreiteten AfD-Politikerinnen und -Politiker „ständig geschichtsrevisionistische und holocaustverharmlosende oder sogar NS-verherrlichende Positionen“. Wagner betonte: „Dass Vertreter einer Partei, die derartige Positionen vertritt, bei der Gedenkveranstaltung für die Widerständler des 20. Juli 1944 einen Kranz niederlegen, ist ein Affront gegen die Würde der Opfer der NS-Verbrechen.“
Korenke: „Preis für Zivilcourage“ verdient
Wagner lobte das Vorgehen von Tobias Korenke ausdrücklich: „Für das Vorgehen von Tobias Korenke habe ich deshalb vollstes Verständnis, mehr noch: Er hat dafür einen Preis für Zivilcourage gegen Geschichtsrevisionismus und extrem Rechte verdient.“ Korenke, ehemals Kommunikationschef der FUNKE Mediengruppe, hatte am Montag bei der Berliner Gedenkfeier zum Jahrestag des Stauffenberg-Attentats auf Adolf Hitler gegen den AfD-Kranz protestiert und versucht, ihn zu entfernen.
Er sei der Aufforderung, das Gebinde wieder niederzulegen, nicht nachgekommen und des Gedenkortes „verwiesen worden“, sagte Korenke der Nachrichtenagentur AFP. Er begründete seine Protestaktion mit dem „unkritischen Verhältnis“ der AfD zum Nationalsozialismus.
Hintergrund: Stauffenberg-Attentat
Claus Schenk Graf von Stauffenberg hatte am 20. Juli 1944 versucht, Hitler mit einer Bombe zu töten. Zusammen mit anderen Widerstandskämpfern wollte er die Herrschaft der Nationalsozialisten stürzen und den von Deutschland begonnenen Zweiten Weltkrieg beenden. Das Vorhaben scheiterte jedoch, Stauffenberg und mehrere Mitverschwörer wurden noch am selben Tag erschossen.



