Der nächtliche Tweet von Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) nach dem peinlichen WM-Aus der deutschen Fußball-Nationalmannschaft sorgt weiter für Diskussionen. In der Talkshow von Markus Lanz am Montagabend wurde der Post, in dem Merz schrieb „Wir sind stolz auf euch“, heftig debattiert. Lanz selbst zeigte sich irritiert über die anhaltende Debatte: „Tagelang wird darüber diskutiert! Ist der Umgang mit diesem Tweet symptomatisch für das ganze Land?“
Journalistin nennt Nationalelf „vulnerable Gruppe“
Die taz-Journalistin Anna Lehmann (51) sorgte mit einer ironischen Bemerkung für Gelächter im Studio. Sie bezeichnete Merz’ Tweet als „Entlastungserzählung“ und erklärte: „Alle waren nach dieser Nacht irgendwie traurig, übermüdet, frustriert. Und dann setzt Friedrich Merz so einen Tweet ab. Und alle denken: Ah, endlich wieder was, wo man sich einig ist: ‚Das ging voll daneben.‘ Aber ich finde es gar nicht so schlimm. Friedrich Merz hat oft vulnerable Gruppen beschimpft, und diesmal hat er sich voll hinter sie gestellt. Das ist doch ein Fortschritt. Weiter so.“
Markus Lanz brach daraufhin in schallendes Gelächter aus und rief: „Das ist gemein! Das ist das Mieseste, was ich diese Woche gehört habe – die Nationalelf als vulnerable Gruppe zu beschreiben.“ Die Runde amüsierte sich über die unerwartete Einordnung der DFB-Elf.
Stern-Politikchef hält Debatte für überzogen
Veit Medick (46), Politikchef des Stern, zeigte Verständnis für Merz, hielt die Aufregung aber für übertrieben: „Ein bisschen absurd ist es aber schon, in welcher Erregung über einen Social-Media-Post des Bundeskanzlers diskutiert wird. Klar, es ist auch eine kleine Übersprungshandlung. Ich glaube, es ist so ein Gesamteindruck des Kanzlers, dass er kommunikativ nicht immer 1A liegt, und dann hat man so das Gefühl: Jetzt haben wir ihn wieder erwischt.“
FAZ-Redakteurin Julia Löhr (50) kritisierte hingegen die Kommunikationsstrategie des Kanzleramts: „Er macht es letztlich noch schlimmer durch die Art und Weise der Kommunikation – am Vormittag einen weiteren Tweet nachzuschieben und am Nachmittag zu erklären, es war alles nur ein Versehen, ein Mitarbeiter war’s!“ Lanz pflichtete bei: „Das ist der Punkt. Nochmal erklären und nochmal erklären.“ Lehmann spottete: „Der Praktikant ist schuld.“ Medick entgegnete sachlich: „Never explain, never complain, wie die Queen. Die ist damit ganz gut gefahren.“
Lanz verteidigt den Tweet mit Verweis auf Italien
Markus Lanz selbst fand letztlich milde Worte für den Kanzler-Post. Er erklärte sich die Panne so: „Das Ding war in zwei Versionen vorbereitet, für den Fall, dass sie weiterkommen oder dass sie scheitern. Dann geht es aber so schief, wie es schiefgeht. Darauf war keiner vorbereitet, und es war nachts um eins. Wer weckt dann den Kanzler, um ihn zu fragen, ob er das Ding rausschicken soll?“
Der in Südtirol geborene Moderator fügte hinzu: „Als jemand, der auch Besitzer eines italienischen Passes ist, fand ich das völlig angemessen.“ Er verwies darauf, dass Italien sich für die WM 2026 gar nicht qualifiziert hatte: „Die Deutschen waren immerhin dabei. Deswegen konnte man zu Recht auch ein bisschen stolz auf sie sein.“



