AfD-Parteitag: Weidel festigt Macht, Chrupalla verliert an Rückhalt
Weidel sichert Macht, Chrupalla schwächelt

Beim AfD-Parteitag in Erfurt hat Alice Weidel ihre Machtbasis gefestigt, während Co-Parteichef Tino Chrupalla deutliche Einbußen hinnehmen musste. Weidel erhielt 81,3 Prozent der Delegiertenstimmen, Chrupalla nur 70 Prozent. Die Doppelspitze bleibt zwar bestehen, doch die internen Spannungen nehmen zu.

Weidel mit klarem Sieg, Chrupalla unter Druck

461 Delegierte stimmten für Weidel als Bundesvorsitzende, während Chrupalla mit lediglich 70 Prozent wiedergewählt wurde. Weidel, die als eloquente Ökonomin gilt, setzte in ihrer Rede auf bekannte AfD-Parolen: Rückkehr zur Kernkraft, Abschaffung der Energiewende, rigide Abschiebungen und Grenzschließungen. Die Delegierten quittierten dies mit stehenden Ovationen – ein deutlicher Kontrast zum höflichen Applaus für Chrupalla.

Ein Delegierter aus dem Weidel-Lager kommentierte: „Wenn Alice den Daumen für Chrupalla senkt, war es das für ihn.“ Kandidaten aus Chrupallas Lager gerieten bei den Vorstandswahlen unter Druck, während Weidel-nahe Bewerber wie Sven Tritschler aus Nordrhein-Westfalen gute Ergebnisse erzielten.

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Symbolische Einheit, aber Rivalität bleibt

Nach außen demonstrierten Weidel und Chrupalla Einigkeit, indem sie sich gegenseitig für den Vorsitz vorschlugen. Doch intern zeichnet sich ab, dass Weidel die alleinige Führung anstrebt. Sie will 2029 Kanzlerkandidatin werden und hat ihr Netzwerk darauf ausgerichtet. „Sie will den Rücken frei haben“, so ein Vertrauter.

Die AfD profitiert derzeit von steigenden Umfragewerten und Mitgliederzahlen. Weidel verkündete: „Wir werden bald die 100.000 Marke knacken.“ Die Partei zählt aktuell 75.000 Mitglieder, vor drei Jahren waren es noch 30.000. Bei den Landtagswahlen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern im September könnte die AfD triumphieren.

Professionalisierung und interne Konflikte

Seit 2022 hat sich die AfD unter der Doppelspitze professionalisiert, Kaderschmieden aufgebaut und Regierungsprogramme entwickelt. Gleichzeitig belasten Vetternwirtschaftsvorwürfe und Machtkämpfe in Landesverbänden die Partei. In Niedersachsen läuft ein Verfahren wegen Untreue, in Nordrhein-Westfalen und Bayern gibt es Schlammschlachten um den Vorsitz.

Der rechtsextreme Flügel um Björn Höcke bleibt einflussreich: Stefan Möller, Höckes Vertrauter, wurde in den Bundesvorstand gewählt. Höcke selbst hielt eine Rede mit populistischen Tönen, etwa über den Zustand von Autobahn-Toiletten als Gradmesser für das Land. Einen eigenen Posten im Bund strebte er nicht an.

Weidel bleibt auf Kurs

Weidel erzielte mit 81,3 Prozent ein ähnliches Ergebnis wie 2024, als sie noch hinter Chrupalla lag. Damals erhielt sie ebenfalls rund 80 Prozent, Chrupalla aber über 82 Prozent. Nun liegt Weidel klar vorn. Ihre Rede in Erfurt mobilisierte den Zorn der Basis: „Wir brauchen günstige Energie. Zurück zur Kernkraft, zurück zu fossilen Energieträgern. Die Energiewende werden wir abschaffen.“

Die AfD diskutierte auf dem Parteitag kaum über Programmatik – das war bereits Anfang 2025 in Riesa geschehen. In Erfurt standen Wahlen im Vordergrund. Die neue Jugendorganisation „Generation Deutschland“ soll enger an die Partei gebunden werden; deren Vorsitzender Jean-Pascal Hohm aus dem extrem rechten Brandenburger Landesverband kandidierte für den Bundesvorstand.

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