250 Jahre USA: Berlin braucht neue Freunde – ein Kommentar
250 Jahre USA: Berlin braucht neue Freunde

Die Vereinigten Staaten feiern am 4. Juli 2026 ihr 250-jähriges Bestehen. Für Berlin war die transatlantische Freundschaft über Jahrzehnte hinweg eine tragende Säule der Außenpolitik. Doch dieses besondere Verhältnis ist seit der Rückkehr von Donald Trump ins Weiße Haus nachhaltig getrübt. Ein Kommentar von Gilbert Schomaker, Stellvertretender Chefredakteur.

Eine historische Verbindung

Seit dem Mauerbau 1961 und besonders während der Berlin-Blockade 1948/49 standen die USA fest an der Seite West-Berlins. Der legendäre Satz von John F. Kennedy „Ich bin ein Berliner“ symbolisierte eine Freundschaft, die über reine Staatsräson hinausging. Berlin war der Vorposten der Freiheit, und die USA waren der Garant dieser Freiheit. Diese emotionale Bindung prägte Generationen von Politikern und Bürgern.

Der Bruch unter Trump

Mit der ersten Amtszeit Trumps 2017 begann der Niedergang dieser besonderen Beziehung. Trump stellte die NATO infrage, zog US-Truppen aus Deutschland ab und ließ keine Gelegenheit aus, die deutsche Politik zu attackieren. Der Höhepunkt der Entfremdung war der Sturm auf das Kapitol am 6. Januar 2021, den Trump nicht eindeutig verurteilte. Seit seiner Wiederwahl 2024 hat sich das Verhältnis weiter abgekühlt. Berlin kann sich nicht mehr blind auf Washington verlassen.

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Neue Partner gesucht

Die Zeiten, in denen Berlin automatisch nach Washington schaute, sind vorbei. Die deutsche Hauptstadt muss neue Freunde finden – in Europa, aber auch global. Frankreich, Polen und die baltischen Staaten sind natürliche Verbündete. Auch mit China und Indien gilt es, die Beziehungen zu vertiefen, ohne die eigenen Werte zu verraten. Die USA bleiben ein wichtiger Partner, aber nicht mehr der einzige.

Eine Frage der Unabhängigkeit

„Die USA sind ein unverzichtbarer Partner, aber wir müssen unsere Interessen selbstbewusster vertreten“, sagte kürzlich ein ranghoher Diplomat aus dem Auswärtigen Amt. Berlin müsse lernen, eigenständiger zu handeln. Die Feierlichkeiten zum 250. Jahrestag der USA sind daher auch ein Anlass für Berlin, Bilanz zu ziehen: Die transatlantische Freundschaft war einmal eine Herzensangelegenheit. Heute ist sie eine Zweckgemeinschaft. Das ist schmerzhaft, aber notwendig.

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