Das Auswärtige Amt hat seine Reisehinweise für Russland drastisch verschärft. Ab sofort wird vor Reisen in das gesamte Staatsgebiet der Russischen Föderation gewarnt. Bislang galt die Warnung lediglich für die an die Ukraine grenzenden Regionen. Wie BILD exklusiv erfuhr, wird die bisher geltende Stufe noch am Dienstag auf das ganze Land ausgeweitet.
Offizielle Begründung: Drohnen und Spritmangel
In dem aktualisierten Text, der BILD vorliegt, heißt es zur Begründung: „In der Russischen Föderation ist mit erheblicher Gefährdung durch Drohnen bzw. Drohnen-Trümmerteile zu rechnen.“ Das Abwehrsystem um Moskau sei zwar deutlich ausgebaut worden, dennoch sei es infolge von Drohnenangriffen oder herabfallender Wrackteile zu teilweise erheblichen Schäden gekommen.
Zudem warnt das Amt vor Engpässen bei der Kraftstoffversorgung: „Aufgrund von Beschädigungen russischer Raffinerien kommt es zu Engpässen in der Kraftstoffversorgung; teilweise gibt es Mengenbeschränkungen bei der Kraftstoffausgabe, auch in Moskau.“ Besonders hoch sei die Gefahr in den an die Ukraine grenzenden Verwaltungsgebieten Belgorod, Kursk, Brjansk, Woronesch, Rostow und Krasnodar.
Ukrainische Strategie: „Logistics Lockdown“
Die aktuellen intensiven Drohnenangriffe auf Russland sind Teil einer breiteren ukrainischen Strategie. Seit Jahresbeginn wurden die Schläge gegen russische Raffinerien und Energieanlagen intensiviert. Ende Mai kündigte die ukrainische Führung einen „Logistics Lockdown“ gegen die russische Armee an. Ziel ist es, Nachschubwege und Versorgungslinien systematisch zu stören.
Operation „Spiderweb“ und 40-Tage-Kampagne
Mit der Operation „Spiderweb“ demonstrierte die Ukraine zudem ihre Fähigkeit, Ziele tief im russischen Hinterland anzugreifen. Präsident Wolodymyr Selenskyj kündigte zuletzt eine 40-tägige Kampagne zur Verstärkung der Angriffe auf russische Militär- und Logistikziele an. Nach Angaben des russischen Verteidigungsministeriums wurden allein in der Nacht zu Dienstag 419 ukrainische Drohnen abgefangen und zerstört. Nur auf Moskau sollen nach Angaben von Bürgermeister Sergej Sobjanin 50 Drohnen zugeflogen sein.
Auswirkungen auf Reisende
Die verschärften Reisehinweise bedeuten für deutsche Staatsbürger, dass von nicht notwendigen Reisen nach Russland dringend abgeraten wird. Bereits im Land befindliche Deutsche werden aufgefordert, die Sicherheitslage genau zu verfolgen und die Hinweise der Botschaft zu beachten. Die Warnung gilt unbefristet und könnte je nach Lage weiter angepasst werden.



