Deutsch-französischer Ministerrat: Abschied von Macron ohne Wehmut
Abschied von Macron: Deutsch-französischer Ministerrat ohne Wehmut

Beim deutsch-französischen Ministerrat am Freitag im Rheinland treffen Kanzler Friedrich Merz (CDU) und Frankreichs Präsident Emmanuel Macron mit ihren Ministern zusammen. Offiziell wird betont, wie reibungslos der deutsch-französische Motor läuft. Doch inoffiziell ist klar: Dies ist der letzte Ministerrat in dieser Konstellation. Macron darf im Frühjahr 2027 nicht erneut kandidieren, und die politische Zukunft Frankreichs ist ungewiss.

Macrons unvollendetes Vermächtnis

Macron, der 2017 mit dem Versprechen antrat, Frankreich zu modernisieren und zu einen, ist in weiten Teilen gescheitert. Seine Pläne für europäische Souveränität in Wirtschaft und Verteidigung stießen in Deutschland lange auf taube Ohren. Erst mit Russlands Angriff auf die Ukraine und der Rückkehr Donald Trumps ins Weiße Haus änderte sich dies. Doch Macrons Bilanz bleibt durchwachsen.

Der französische Präsident wird im Rheinland als Unvollendeter empfangen. Sollte bei deutschen Regierungsvertretern Wehmut aufkommen, so dürfen sie bedenken, dass Berlin nicht unschuldig an der möglichen politischen Wende in Paris ist. Sollte Marine Le Pen oder Jean-Luc Mélenchon die Wahl gewinnen, wäre dies eine Zäsur für Europa.

Breites Pickt-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App für Telegram

Die Rolle Deutschlands

Deutschland hat Macrons Visionen lange blockiert. Erst die geopolitischen Krisen der letzten Jahre zwangen Berlin zum Umdenken. Nun könnte es zu spät sein: Macrons Abgang hinterlässt ein Vakuum, das Populisten füllen könnten. Der Ministerrat ist daher mehr als ein Routine-Treffen – er ist ein Symbol für verpasste Chancen.

„Macron hat es nicht vermocht, sein Land durchgreifend zu modernisieren und wieder zusammenzuführen“, schreibt Brüssel-Korrespondent Thorsten Knuf in einem Kommentar. Die deutsch-französische Zusammenarbeit war stets der Motor Europas, doch nun droht dieser Motor ins Stottern zu geraten.

Ausblick auf die Präsidentschaftswahl 2027

Die Wahl in Frankreich im Frühjahr 2027 wird richtungsweisend. Sollte ein Kandidat der Mitte gewinnen, könnte Europa aufatmen. Doch die Umfragen zeigen ein anderes Bild: Marine Le Pen und Jean-Luc Mélenchon liegen vorn. Ein Sieg der Rechtsextremen oder Linksnationalisten würde die EU vor enorme Herausforderungen stellen.

Der deutsch-französische Ministerrat im Rheinland ist daher auch ein Abschied von einer Ära. Macron wird als Präsident in die Geschichte eingehen, der viel versprach, aber wenig vollendete. Die Frage ist, ob Deutschland aus seinen Fehlern lernt, bevor es zu spät ist.

Pickt After-Article-Banner — kollaborative Einkaufslisten-App mit Familien-Illustration