Erneuter Angriff auf iranische Atomanlage Natans - IAEA warnt vor Atomunfall
Im anhaltenden Iran-Konflikt hat Teheran einen weiteren Angriff auf seine unterirdische Urananreicherungsanlage Natans gemeldet. Nach iranischen Angaben wurden bisher keine erhöhten Strahlungswerte festgestellt. Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) rief die Kriegsparteien umgehend zur militärischen Zurückhaltung auf, um jedes Risiko eines Atomunfalls zu vermeiden.
Zentrale Anlage für Atomprogramm im Visier
Die Anlage Natans südlich der Hauptstadt Teheran gilt als zentraler Bestandteil des iranischen Atomprogramms. IAEA-Chef Rafael Grossi betonte auf der Online-Plattform X die Dringlichkeit, potenzielle nukleare Gefahren zu minimieren. Bereits kurz nach Beginn der amerikanisch-israelischen Angriffe auf den Iran hatte die Behörde mit Sitz in Wien neue Schäden an den Eingangsgebäuden in Natans bestätigt.
Die Technologie zur Urananreicherung kann sowohl für Reaktorbrennstoff als auch für Atomwaffen genutzt werden. Die USA und Israel hatten bereits im Juni 2025 iranische Atomanlagen bombardiert und dabei auch Natans stark beschädigt. Während die USA erklären, sie wollten verhindern, dass der Iran jemals Atomwaffen besitzt, bestreitet Teheran konsequent, solche Waffen zu entwickeln.
Israel kündigt Eskalation an - Trump erwägt Deeskalation
Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz kündigte eine weitere Verstärkung der Angriffe im Iran an. Ziele seien dabei die iranische Führung und die unterstützende Infrastruktur. "Wir sind entschlossen, den Kampf fortzusetzen, bis jede Sicherheitsbedrohung für Israel und US-Interessen in der Region beseitigt ist", erklärte Katz.
US-Präsident Donald Trump signalisierte hingegen am Freitag, er erwäge, die Angriffe im Iran zurückzufahren, da die Vereinigten Staaten kurz davor stünden, ihre Kriegsziele zu erreichen. Gleichzeitig kritisierte er Nato-Verbündete scharf als "Feiglinge" wegen ausbleibender Hilfe bei der Sicherung des Öltransports durch die Straße von Hormus.
Iran reagiert mit Raketenangriff auf abgelegenen US-Stützpunkt
Erstmals feuerte Teheran Raketen auf den abgelegenen US-britischen Stützpunkt Diego Garcia im Indischen Ozean. Nach Angaben des iranischen Staatsfernsehens wurden zwei ballistische Raketen abgeschossen, von denen jedoch keine die Basis traf. US-Medien berichteten, eine Rakete sei während des Fluges versagt, die andere abgefangen worden.
Der Stützpunkt liegt etwa 4.000 Kilometer südöstlich der iranischen Küste – doppelt so weit wie die bisher offiziell bestätigte Reichweite des iranischen Raketenarsenals. Iranische Mittelstreckenraketen mit dieser Reichweite könnten theoretisch auch europäische Städte erreichen.
Weitere militärische Entwicklungen und regionale Auswirkungen
Der Befehlshaber des US-Regionalkommandos für den Nahen Osten (Centcom), Brad Cooper, teilte mit, dass unter den von den USA angegriffenen Zielen 130 iranische Schiffe gewesen seien. "Dies ist die größte Zerschlagung einer Marine innerhalb von drei Wochen seit dem Zweiten Weltkrieg", fügte er hinzu.
Der Iran zeigte sich weiter kämpferisch. Der Geheimdienst der Revolutionsgarden erklärte, man analysiere die "verwundbaren Punkte des Feindes" und bereite eine neue Angriffswelle mit moderneren Systemen vor. In der Nacht und am Morgen gab es nach israelischen Militärangaben erneut Raketenangriffe aus dem Iran auf Israel, bei denen Streumunition eingesetzt wurde.
Die israelische Armee griff ihrerseits Ziele im Iran und im Libanon an, darunter Anlagen in Teheran, die mit der Herstellung ballistischer Raketen in Verbindung stehen. Aufgrund der angespannten Sicherheitslage verlegte die Nato Personal einer Irak-Mission nach Europa, was auch deutsche Soldaten betraf. Rund 200 Bundeswehrsoldaten verblieben jedoch in der Region für andere Missionen.



