Nach dem 2:1-Sieg über England im WM-Halbfinale am Mittwochabend in Atlanta feierten die argentinischen Spieler um Superstar Lionel Messi mit einem umstrittenen Plakat. Darauf war der Spruch „Las Malvinas son argentinas“ („Die Malwinen sind argentinisch“) zu lesen. Das Plakat hatten Fans auf die Tribüne gebracht und den Spielern nach dem Abpfiff überreicht. Nun droht dem Team Ärger mit dem Weltverband FIFA, da politische Botschaften bei WM-Spielen verboten sind.
Historischer Hintergrund: Der Falkland-Krieg von 1982
Die Feindschaft zwischen Argentinien und England hat ihre Wurzeln im Falkland-Krieg von 1982. Die Inselgruppe im Südatlantik, auf Englisch Falkland-Inseln und auf Spanisch Malwinen genannt, wird seit 1833 von Argentinien beansprucht, obwohl nie ein völkerrechtlicher Anspruch bestand. Jahrhundertelang wurden die Inseln von Briten verwaltet und für Schafzucht und Fischfang genutzt. 1982 ordnete die damalige argentinische Militärdiktatur die Besetzung der Inseln an, woraufhin Großbritannien militärisch eingriff und Argentinien nach zwei Monaten zur Kapitulation zwang. Der Krieg forderte über 1000 Todesopfer.
Politische Aufladung des Spiels
Bereits vor dem Spiel hatte Argentiniens Vize-Präsidentin Victoria Villarruel, die sich als „Tochter eines Falklandkriegs-Veteranen“ bezeichnet, auf X (ehemals Twitter) Stimmung gegen England gemacht. Sie schrieb: „Wir spielen gegen die eindringenden Piraten. Das ist nicht einfach nur ein Spiel.“ Und weiter: „Bis zu unserem letzten Atemzug werden wir einfordern, was uns gehört!“ Nach dem Spiel dankte sie den Torschützen und dem Team mit einem Soldaten-Video und betonte erneut: „No era un partido más“ – „Das war kein Spiel wie jedes andere.“
FIFA-Regeln und mögliche Konsequenzen
Die FIFA verbietet Spielern und Offiziellen bei WM-Spielen die Präsentation politischer Botschaften. Das Zeigen des Kriegsplakates könnte daher ein Nachspiel haben. Laut FIFA-Statut sind „politische, religiöse oder kommerzielle Botschaften“ untersagt. Im Wiederholungsfall drohen Geldstrafen oder sogar Spielsperren. Ob die FIFA tatsächlich ermittelt, ist noch unklar. Die argentinische Mannschaft hatte das Plakat nach dem Spiel kurz gezeigt, bevor es abgenommen wurde.
Reaktionen und Ausblick
Die argentinischen Fans feierten den Sieg ausgelassen, doch die politische Botschaft sorgte international für Kritik. Britische Medien sprachen von einer „Provokation“. Der englische Fußballverband (FA) wollte sich nicht offiziell äußern. Experten sehen die Aktion als Teil der anhaltenden emotionalen Verbindung des Falkland-Krieges in Argentinien. Ein Referendum auf den Inseln 2013 ergab eine überwältigende Mehrheit für den Verbleib bei Großbritannien. Dennoch bleibt der Konflikt für viele Argentinier ein nationales Anliegen. Es bleibt abzuwarten, ob die FIFA Sanktionen verhängt.



