Die österreichische Regierung hat mit einem umstrittenen Vorstoß begonnen, das Geburtshaus Adolf Hitlers in Braunau am Inn zu entweihen. Unter dem Deckmantel einer polizeilichen Aktion sollen alle Spuren des Nationalsozialismus getilgt werden. Der Plan sieht vor, das Gebäude in eine Polizeistation umzuwandeln – symbolträchtig und zugleich provokativ.
Polizei sichert die Baustelle
Seit dem 21. Juli 2026 ist der Bereich um das Haus in der Salzburger Vorstadt 15 weiträumig abgesperrt. Beamte des Bundesamts für Verfassungsschutz und Terrorbekämpfung (BVT) sowie der örtlichen Polizei bewachen den Umbau. „Es geht darum, einen Ort der Schande in einen Ort der Rechtsstaatlichkeit zu verwandeln“, erklärte Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) im Vorfeld. Die Kosten des Projekts belaufen sich auf rund 20 Millionen Euro.
Widerstand in der Bevölkerung
Doch nicht alle Bewohner Braunaus begrüßen die Aktion. Eine Bürgerinitiative sammelt Unterschriften gegen die Umwidmung. „Man kann Geschichte nicht einfach exorzieren“, sagt die Sprecherin Maria Huber. „Das Haus wäre besser als Dokumentationszentrum geeignet.“ Historiker kritisieren, dass die Polizeistation die Auseinandersetzung mit der NS-Vergangenheit erschwere statt fördere. „Symbolpolitik ersetzt keine historische Aufklärung“, so der Zeithistoriker Oliver Rathkolb.
Internationale Reaktionen
Auch international wird der Schritt diskutiert. Die israelische Botschaft in Wien zeigte sich irritiert: „Eine Polizeistation im Geburtshaus des Massenmörders ist geschmacklos“, hieß es in einer Stellungnahme. Die österreichische Regierung verteidigt das Vorgehen: „Wir verhindern, dass Neonazis den Ort weiterhin als Pilgerstätte nutzen“, so Karner. Tatsächlich war das Haus jahrelang ein Treffpunkt für Rechtsextreme, was durch eine Überwachungskamera belegt ist.
Historische Bedeutung
Adolf Hitler wurde am 20. April 1889 in dem Haus geboren. Die NSDAP mietete es später als „Kulturhaus“. Nach dem Krieg stand es lange leer, bis der Staat es 2016 enteignete. Die Entscheidung, es in eine Polizeistation umzubauen, fiel 2020 – wurde aber mehrfach verschoben. Nun soll der Umbau bis 2028 abgeschlossen sein.
Kritik an der Methode
Die Symbolik des „Exorzismus“ stößt auf Unverständnis. Der Braunauer Bürgermeister Johannes Waidbacher (ÖVP) spricht von einem „notwendigen Schritt“, während die Grünen im Gemeinderat fordern, die Pläne zu überdenken. „Wir brauchen keine Polizeistation, sondern einen Ort der Erinnerungskultur“, sagt Gemeinderätin Sabine Mayer. Die österreichische Bundesregierung bleibt indes hart: „Wir lassen uns nicht von rechtsradikalen Kreisen erpressen.“
Ausblick
Der Umbau des Hitler-Geburtshauses zur Polizeistation schreitet voran. Ob er tatsächlich die Erinnerung an den Nationalsozialismus tilgt oder sie nur verdrängt, bleibt fraglich. Klar ist: Braunau bleibt ein symbolträchtiger Ort – und der Streit um den richtigen Umgang mit der Geschichte ist noch nicht beendet.



