Der Bundestag hat am Freitag mit deutlicher Mehrheit für das neue Sportfördergesetz gestimmt. 561 Abgeordnete votierten dafür, 43 dagegen. Das Gesetz soll den deutschen Spitzensport grundlegend reformieren und mit einer neuen unabhängigen Agentur in Leipzig die Fördermittel effizienter verteilen.
Zustimmung und Kritik im Parlament
Die Fraktionen von Union, SPD, AfD und Grünen unterstützten den Entwurf. Die Linke lehnte das Gesetz ab. Ihr Abgeordneter Jorrit Bosch kritisierte eine „Sportförderung je nach Kassenlage“ und bemängelte die unzureichende soziale Absicherung von Trainern. Bundestagsvizepräsident Omid Nouripour (Grüne) verkündete das Abstimmungsergebnis.
Der Deutsche Olympische Sportbund (DOSB) hatte das Gesetz bereits im Vorfeld begrüßt. „Das Gesetz bietet eine gute Grundlage, auf der wir Erfolge aufbauen können“, sagte DOSB-Präsident Thomas Weikert. „Wir wollen Deutschland zurück in die Weltspitze des Sports führen. Wir wollen ein System gestalten, das nachhaltige Spitzenleistungen hervorbringt.“
Herzstück: Spitzensportagentur in Leipzig
Kern der Reform ist die Einrichtung einer neuen, unabhängigen Spitzensportagentur mit Sitz in Leipzig. Ein Stiftungsrat aus Vertretern von Politik und organisiertem Sport soll die Agentur beaufsichtigen. Zwei hauptamtliche Vorstände sollen ab dem nächsten Jahr die Arbeit aufnehmen und die Steuermillionen eigenständig verteilen.
Die Agentur wird künftig über die Förderung von Verbänden, Athleten sowie Olympia- und Bundesstützpunkten entscheiden. Sie kann Stützpunkte neu ausrichten, wissenschaftliche Unterstützung bereitstellen und die Anzahl der Bundeskader sowie sportübergreifende Kaderkriterien festlegen. Ab 2031 plant die Bundesregierung jährliche Kosten von 8,4 Millionen Euro für die Agentur ein.
Mehr Mitsprache für den Sport
Die Bundesregierung passte die Besetzung des Stiftungsrats auf Druck des organisierten Sports an: Statt neun Mitgliedern gehören nun zehn dem Gremium an. Der DOSB darf vier statt drei Vertreter entsenden, ein Platz ist für die Athletenkommission reserviert.
Der Deutsche Behindertensportverband (DBS) und das Nationale Paralympische Komitee lobten das Gesetz. „Entscheidend wird dabei sein, den paralympischen Spitzensport als selbstverständlichen Bestandteil der neuen Förderstrukturen zu verankern“, sagte DBS-Vorstandsvorsitzender Idriss Gonschinska.
Grüne: Historischer Schritt
Selbst aus der Opposition gab es Lob. „Das Sportfördergesetz ist ein historischer Schritt und ein echter Paradigmenwechsel für den deutschen Spitzensport“, sagte Tina Winklmann, Grünen-Sprecherin für Sport und Ehrenamt. „Wir Grünen haben diese Reform in der vergangenen Wahlperiode maßgeblich mit auf den Weg gebracht. Deshalb tragen wir dieses Gesetz trotz verbleibender Lücken aus Überzeugung mit.“
Der Bundesrat soll im Herbst final beraten. Erst dann kann das Gesetz in Kraft treten. Ziel ist es, die deutsche Sportförderung effizienter zu gestalten und die Medaillenchancen bei Olympischen Spielen zu verbessern.



