Der Fall des in China inhaftierten US-Wissenschaftlers Youlin Chen belastet die Beziehungen zwischen Peking und Washington. Der 54-jährige Seismologe, der unter anderem an der Erkennung nordkoreanischer Atomwaffentests forschte, wird bereits seit mehr als 18 Monaten festgehalten. Wie der TV-Sender CNN berichtet, wurde Chen am Flughafen beim Versuch der Ausreise aus der Volksrepublik nach einem Familienbesuch festgenommen. Am 1. Mai 2025 erhob die chinesische Justiz Spionagevorwürfe gegen den chinesischstämmigen Forscher. Ein Prozess wurde bislang nicht eröffnet. Bei einer Verurteilung wegen Spionage drohen in China lebenslange Haftstrafen, in besonders schweren Fällen sogar die Todesstrafe.
Diplomatische Bemühungen auf höchster Ebene
Übereinstimmenden Berichten zufolge wird Chens Fall bereits seit Monaten auf höchster Ebene zwischen den USA und China diskutiert. US-Außenminister Marco Rubio hatte Chen laut der Nachrichtenagentur Reuters bereits am 19. März als „zu Unrecht inhaftiert“ eingestuft und zur Toppriorität der US-Regierung erklärt. Chen ist demnach derzeit der einzige US-Bürger in China, der diesen Status genießt. Die NGO Foley Foundation vermutet jedoch, dass mindestens zwölf weitere US-Amerikaner unrechtmäßig in China festgehalten werden. Laut CNN soll Chen auch beim Treffen zwischen US-Präsident Donald Trump und Chinas Staatschef Xi Jinping im Mai zumindest indirekt Thema gewesen sein. Trump habe bei dem Treffen deutlich gemacht, „dass er möchte, dass jeder im Ausland inhaftierte Amerikaner nach Hause zurückkehrt“, teilte das Weiße Haus mit.
Familie bricht ihr Schweigen
Um die diplomatischen Bemühungen zur Freilassung des Seismologen nicht zu gefährden, hatten die US-Regierung sowie Familie und Bekannte Chens den Fall bislang unter Verschluss gehalten. Nun gehen Chens Unterstützer jedoch an die Öffentlichkeit. „Ich habe mehr als 600 Tage nicht mehr mit meinem Ehemann gesprochen und sorge mich um seine Gesundheit“, sagte Chens Ehefrau Yufang Rong. Sie wies die Spionagevorwürfe gegen ihren Mann zurück und verwies darauf, dass Chen nie eine Sicherheitsfreigabe der US-Regierung besessen habe. Vielmehr habe Chen stets transparent mit chinesischen Kollegen zusammengearbeitet. Chen erhielt laut Reuters 2011 die US-Staatsbürgerschaft und lebt in Boston. Seine wissenschaftliche Arbeit wurde unter anderem vom US-Außenministerium und einer Forschungsstelle der US-Air Force finanziert, berichtet CNN. Der 54-Jährige hatte seismologische Methoden entwickelt, um Nuklearversuche zu erkennen und zu überwachen, darunter auch unterirdische Nukleartests Nordkoreas.



