Energiekonzern-Chef Korezkyj soll ukrainische Regierung führen
Energiekonzern-Chef Korezkyj soll ukrainische Regierung führen

Inmitten des Krieges gegen Russland leitet Präsident Wolodymyr Selenskyj eine erneute Regierungsumbildung in der Ukraine ein. Der bisherige Leiter des staatlichen Energiekonzerns Naftogaz, Serhij Korezkyj, soll neuer Ministerpräsident werden. Gleichzeitig steht ein Wechsel an der Spitze des Verteidigungsministeriums bevor: Ressortleiter Mychajlo Fedorow, dem eigene Ambitionen auf das Präsidentenamt nachgesagt wurden, soll im Konflikt mit Armeechef Olexander Syrskyj gestanden haben.

Parlament soll Korezkyj bestätigen

Die Ernennung Korezkyjs zum Regierungschef wurde beim Parlament beantragt, wie Parlamentspräsident Ruslan Stefantschuk bestätigte. „Das Parlament wird ihn in Kürze entsprechend dem festgelegten Verfahren prüfen“, schrieb er auf Facebook. Wann die Abstimmung erfolgt, ließ Stefantschuk offen; das Votum wird jedoch bereits am Donnerstag erwartet.

Selenskyj hatte am Sonntag mit der Abberufung von Ministerpräsidentin Julia Swyrydenko den überraschenden Umbau eingeleitet. Am Dienstag stimmte die Oberste Rada dem Rücktritt der Regierungschefin zu, was automatisch die Entlassung des gesamten Kabinetts nach sich zog. Selenskyj bezeichnete Korezkyj mit Blick auf die Vorbereitungen für den kommenden Winter als besonders geeignet. In der kalten Jahreszeit werden erneut Probleme bei der Energieversorgung infolge russischer Angriffe auf die Infrastruktur befürchtet.

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Auslöser: Botschafterin in den USA tritt zurück

Letzter Auslöser für die Kabinettsumbildung soll nach unbestätigten Medienberichten das Ausscheiden der ukrainischen Botschafterin in den USA, Olha Stefanischyna, aus dem diplomatischen Dienst gewesen sein. Grund für ihre Demission sind demnach Korruptionsermittlungen wegen eines Immobilienkaufs im ersten Kriegsjahr während ihrer Zeit als Ministerin für EU- und Nato-Integration. Stefanischyna trat den Posten in Washington erst im August 2025 an und soll von Swyrydenko als Botschafterin abgelöst werden.

Verteidigungsminister Fedorow muss gehen

Verteidigungsminister Fedorow gab zu verstehen, dass es für ihn nach nur etwa sechs Monaten im Amt keine Aussicht auf eine erneute Nominierung gibt. „Es war eine große Ehre, dem ukrainischen Volk auf dem Posten des Verteidigungsministers zu dienen“, schrieb er auf Telegram. Er bedauere, nicht noch mehr Mitarbeiter entlassen zu haben, die Reformen gebremst hätten. Medienberichten zufolge will Selenskyj den bisherigen Innenminister Ihor Klymenko für den Posten des Verteidigungsministers nominieren.

Ursächlich für den erwarteten Wechsel soll ein Konflikt Fedorows mit Armeechef Olexander Syrskyj sein. Zudem habe der erst 35-jährige Minister die Probleme mit der Zwangsmobilisierung von Wehrpflichtigen nicht lösen können. Vor knapp einer Woche hatten im westukrainischen Lwiw rund 200 Menschen ein Rekrutierungskommando angegriffen und dabei das Dienstfahrzeug demoliert.

Hintergrund: Dritter Regierungschef, vierter Verteidigungsminister seit Kriegsbeginn

Fedorow hatte 2019 die Medienkampagne Selenskyjs im Wahlkampf geleitet und danach das neu geschaffene Digitalministerium übernommen. Er galt lange als Protegé Selenskyjs, saß als Verteidigungsminister aber auf einem unsicheren Posten. Seit der russischen Invasion im Februar 2022 ist es der dritte Wechsel des Regierungschefs und der vierte Austausch des Verteidigungsministers.

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