Polizeiskandal in Southampton: Ermittlungen gegen Beamte im Fall Henry Nowak
Ermittlungen gegen Polizisten im Fall Henry Nowak

Ermittlungen gegen zwei Polizisten eingeleitet

Der Fall des getöteten 18-jährigen Henry Nowak sorgt in Großbritannien seit Wochen für Aufruhr. Nun ermittelt die zuständige Aufsichtsbehörde Independent Office for Police Conduct (IOPC) gegen zwei Polizisten wegen des Verdachts auf grobes dienstliches Fehlverhalten. Die beiden Beamten waren als erste am Tatort im südenglischen Southampton eingetroffen, wie das IOPC mitteilte.

Nowak war im Dezember 2025 niedergestochen worden. Die Polizisten schenkten jedoch zunächst dem Täter Glauben, der behauptete, als Anhänger der Sikh-Religion rassistisch beleidigt worden zu sein und sich als Opfer darstellte. Der Täter wurde später zu einer lebenslangen Haftstrafe von mindestens 21 Jahren verurteilt.

Folgenschwere Verwechslung am Tatort

Die schweren Verletzungen Nowaks waren zunächst nicht sichtbar. Seine Beteuerungen, er sei niedergestochen worden und könne nicht atmen, wurden von den Beamten ignoriert. Ihm wurden Handschellen angelegt, als er bereits im Sterben lag. Bodycam-Aufnahmen des Vorfalls gingen um die Welt und lösten landesweite Proteste aus.

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Nach der Enthüllung der Umstände wurde vielerorts demonstriert, in Southampton kam es im Zuge eines Protests zu Ausschreitungen. Rechtspopulistische Politiker und Rechtsextremisten sahen den Fall als angeblichen Beleg dafür, dass Bemühungen zur Bekämpfung von Rassismus in Großbritannien bei der Polizei zu einer Benachteiligung der weißen Mehrheitsbevölkerung führten. Liberale und Linke witterten dahinter eine Kampagne mit rassistischem Hintergrund.

Mögliche Versäumnisse bei medizinischer Hilfe

Bereits Anfang Juni kündigte die Polizeiaufsichtsbehörde an, den Fall zu untersuchen. Nun gehe man mit den Ermittlungen gegen die Beamten in eine nächste Phase über. Dabei geht es den Angaben nach unter anderem um mögliche Versäumnisse der Beamten, zu erkennen, dass Henry dringend medizinische Hilfe benötigte, sowie um die Entscheidung, ihn festzunehmen und ihm Handschellen anzulegen, statt Erste Hilfe zu leisten.

Zudem gebe es Anhaltspunkte dafür, dass einer der Beamten gegen Verhaltensvorschriften verstoßen habe, indem er Nowaks Aussagen „offenbar nicht ernst nahm“. Untersucht wird auch, „ob die ethnische Herkunft oder die Religionszugehörigkeit“ von Opfer oder Täter einen Einfluss auf das Handeln der Polizisten hatten, wie Derrick Campbell von der IOPC laut Mitteilung sagte.

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