Nach dem dramatischen Halbfinalsieg gegen England haben argentinische Spieler ein politisches Banner gezeigt, das die FIFA in eine Zwickmühle bringt. Das Team feierte am Mittwochabend in Atlanta einen späten 2:1-Erfolg durch Tore von Enzo Fernandez (85. Minute) und Lautaro Martínez (90.+2). Bei der anschließenden Siegesparty entrollten Spieler ein weißes Laken mit der Aufschrift „Las Malvinas son argentinas“ („Die Malvinas sind argentinisch“). Die Botschaft bezieht sich auf den Falklandkrieg von 1982, bei dem Argentinien und Großbritannien 74 Tage lang um die Inseln kämpften und rund 1000 Soldaten starben. Die Inseln sind seit 1833 britisches Überseegebiet; Großbritannien verweigert bis heute Verhandlungen über den Anspruch.
Politische Spannungen vor dem Spiel
Bereits vor der Partie hatte Argentiniens Trainer Lionel Scaloni vor einer Vermischung von Sport und Krieg gewarnt. Die Vizepräsidentin des Landes, Victoria Villarruel, schrieb hingegen auf X: „Wir spielen gegen die Piraten-Usurpatoren. Das ist kein Spiel wie jedes andere. Ich werde nicht politisch korrekt sein oder mich zurückhalten. Gegen die Engländer geht es um mehr.“ Villarruels Vater hatte im Falklandkrieg für die damalige Militärdiktatur gekämpft.
FIFA-Regeln und drohende Sanktionen
Die FIFA verbietet politische Botschaften bei WM-Spielen. Laut Disziplinarreglement drohen dem argentinischen Verband hohe Geldstrafen und sogar Sperren für einzelne Spieler. Giovani Lo Celso und Lisandro Martínez hatten das Banner gezeigt. Martínez ist als Innenverteidiger unumstrittener Stammspieler; eine Sperre für das Finale würde die „Albiceleste“ empfindlich treffen. Lo Celso kam bislang nur im bedeutungslosen Vorrundenspiel gegen Jordanien zum Einsatz. Eine Sperre nur gegen ihn könnte als vorgetäuschte Härte gewertet werden. Ein Turnierausschluss, wie ihn eine englische Fan-Petition fordert, gilt als unwahrscheinlich.
Vorgeschichte belastet FIFA
Die FIFA steht bereits unter Druck wegen des „Falls Folarin Balogun“. Die Einmischung von US-Präsident Donald Trump gegen die Rotsperre des US-Stürmers hatte dem Weltverband geschadet. Zudem wurde die FIFA für inkonsistente Entscheidungen kritisiert, etwa bei Jarell Quansah (rotgesperrter Engländer) und Michael Olise (ungerechtfertigte Gelbe Karte gegen Paraguay). In diesem Turnier reagierte die FIFA bereits auf eine politische Botschaft: Haiti musste seine Trikots ändern, weil darauf eine Schlachtszene aus dem Unabhängigkeitskrieg von 1803 abgebildet war.
Infantino unter Beobachtung
FIFA-Präsident Gianni Infantino steht wegen vermeintlicher Bevorzugung Argentiniens in der Kritik. KI-generierte Memes zeigen Infantino mit Lionel Messi, und eine Liste von Vorwürfen reicht von nicht geahndeten Fouls bis zu nicht überprüften Elfmetern. Ägyptens Trainer Hossam Hassan sprach offen von Manipulation, konnte aber keine Beweise vorlegen. Infantino hatte Messi nach dem Sieg gegen Kap Verde „eine herzliche Umarmung“ und „herzliche Glückwünsche“ übermittelt. Nun muss die FIFA entscheiden, ob sie gegen das politische Banner vorgeht – und sich damit erneut angreifbar macht.



