Die Berliner FDP-Politikerin und Aktivistin Karoline Preisler hat nach dem mutmaßlichen Terroranschlag auf den Christopher Street Day (CSD) einen folgenschweren Fehler begangen. In einem inzwischen gelöschten Social-Media-Beitrag beschuldigte sie einen unbeteiligten Mann, für die Tat verantwortlich zu sein. Die falsche Beschuldigung führte dazu, dass der Unschuldige von Millionen Menschen fälschlich für den Attentäter gehalten wurde – mit schwerwiegenden Konsequenzen.
Fataler Irrtum nach dem CSD-Anschlag
Am späten Samstagabend war der 21-jährige Islamist Abdul Ballout mit einem weißen Kleinbus mutmaßlich absichtlich in eine Menschenmenge auf dem CSD-Umzug in Berlin gerast. Noch bevor die Behörden offizielle Angaben zum Täter machen konnten, teilte Preisler auf X (ehemals Twitter) ein Foto einer anderen Person und erklärte, es handele sich um den Angreifer. Der Beitrag wurde tausendfach geteilt und kommentiert, viele Nutzer verbreiteten die Falschinformation weiter.
Wie der Tagesspiegel berichtet, war der Abgebildete völlig unbeteiligt. Er wurde durch die Falschbeschuldigung massiv bedroht und musste sich in Sicherheit bringen. Preisler selbst erklärte später, sie habe aus Sorge vor weiteren Anschlägen gehandelt. „Mein Leben ist in Gefahr“, schrieb sie in einem weiteren Beitrag und betonte, sie wolle die Bevölkerung warnen. Eine Richtigstellung ihres ursprünglichen Fehlers blieb jedoch zunächst aus.
Angriff auf den Regierenden Bürgermeister
Statt den eigenen Fehler einzuräumen, lenkte Preisler die Aufmerksamkeit auf den Regierenden Bürgermeister von Berlin, Kai Wegner (CDU). In mehreren Posts warf sie ihm vor, die Sicherheitslage zu vernachlässigen und die Bürger nicht rechtzeitig gewarnt zu haben. „Statt sich um die Sicherheit der Berliner zu kümmern, schweigt der Senat“, schrieb Preisler. Dabei ließ sie unerwähnt, dass die Polizei erst Stunden nach der Tat Details zum Täter bekannt gab und eine frühzeitige Warnung kaum möglich gewesen wäre.
Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf die Risiken ungeprüfter Informationen in sozialen Medien unmittelbar nach Terroranschlägen. „Jeder kann sich in der Aufregung irren, aber eine öffentliche Person sollte dann die Verantwortung übernehmen und eine klare Richtigstellung veröffentlichen“, kommentierte der Autor Julius Geiler im Tagesspiegel. Preislers Verhalten stehe beispielhaft für die Gefahren von Falschinformationen und der Jagd nach Aufmerksamkeit in Krisensituationen.
Rechtliche und politische Konsequenzen
Der fälschlich beschuldigte Mann prüft rechtliche Schritte gegen Preisler. Ein Sprecher der FPD Berlin erklärte, man werde die Angelegenheit intern prüfen. Preisler selbst hat sich seit den Angriffen auf Wegner nicht mehr zu dem Vorfall geäußert. Der auslösende Beitrag wurde gelöscht, aber Screenshots kursieren weiter im Netz.
Die FDP Berlin steht unter Druck. Die Partei, die sich als Hüterin bürgerlicher Freiheiten und der Rechtsstaatlichkeit sieht, muss sich fragen lassen, ob Preislers Verhalten mit diesen Werten vereinbar ist. „Das Prinzip 'im Zweifel für den Angeklagten' gilt auch für unbescholtene Bürger, die in falsche Verdächtigungen geraten“, sagte ein Sprecher der Berliner Datenschutzbehörde. Die Polizei warnt indes davor, unbestätigte Informationen zu teilen, da dies nicht nur Einzelpersonen gefährde, sondern auch die Ermittlungen behindere.
Die Rolle sozialer Medien in Krisen
Der Fall Preisler zeigt, wie schnell Desinformation sich verbreiten kann. Bereits Minuten nach dem Anschlag kursierten verschiedene Namen und Bilder mutmaßlicher Täter, die sich später allesamt als falsch herausstellten. Experten fordern daher strengere Regeln für Social-Media-Plattformen, um Falschmeldungen schneller zu unterbinden. „Die Anbieter müssen in Echtzeit prüfen, ob Beiträge zu laufenden Ermittlungen auf offiziellen Quellen beruhen“, mahnt eine Sprecherin der Initiative #GegenHassImNetz.
Bis zur Klärung des Falls bleibt der Druck auf Preisler hoch. Der Vorfall hat nicht nur ihrem Ruf geschadet, sondern auch das Vertrauen in die Handlungsfähigkeit der FDP in Sicherheitsfragen erschüttert. Ob sie politisch dafür geradestehen muss, bleibt abzuwarten.



