„General Hollywood“: Mychajlo Drapatyj wird neuer ukrainischer Armeechef
„General Hollywood“ wird neuer ukrainischer Armeechef

Drapatyj übernimmt nach Syrskyj-Entlassung

Die Ukraine hat einen neuen Oberbefehlshaber der Streitkräfte: Mychajlo Drapatyj (43) folgt auf Olexander Syrskyj (60), den Präsident Wolodymyr Selenskyj nach Tagen des Protests entlassen hatte. Drapatyj, ein Frontgeneral der jüngeren Generation, dessen Lebenslauf an einen Hollywood-Blockbuster erinnert, soll den Generalstab grundlegend neu aufstellen und eine neue Verteidigungsstrategie entwickeln.

Vom „Feuerwehrmann der Front“ zum Legendenstatus

Seit Beginn des Krieges spielte Drapatyj an den gefährlichsten Frontabschnitten eine Hauptrolle. Kameraden nennen ihn den „Feuerwehrmann der Front“. Dieser Ruf gründet auf einem Ereignis aus dem Jahr 2014: Während der Kämpfe um Mariupol erhielt seine Einheit den Auftrag, eingeschlossene ukrainische Polizisten zu befreien. Als sein Fahrer vor Barrikaden prorussischer Separatisten bremste und fragte: „Herr Major, da sind Barrikaden – was jetzt?“, antwortete Drapatyj: „Dima, Gas!“ Der Schützenpanzer durchbrach die Sperren; die spektakulären Bilder gingen um die Welt. Wenige Wochen später führte Drapatyj im Gebiet Luhansk rund 260 Soldaten und zahlreiche Militärfahrzeuge unter schwerem Artilleriefeuer aus einer russischen Einkesselung.

Einsätze in den Brennpunkten des Krieges

Nach der russischen Vollinvasion 2022 wurde Drapatyj immer wieder in die schwierigsten Einsätze geschickt: Er stoppte den Vormarsch auf Krywyj Rih, kämpfte um die Befreiung von Cherson, stabilisierte 2024 die Front bei Charkiw und übernahm Anfang 2025 den Brennpunkt Pokrowsk. Anders als viele Generäle der alten Schule gilt er als Kommandeur, der seine Soldaten nicht unnötig verheizt und den Schutz seiner Truppe über alles stellt.

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Verantwortung statt Vertuschung

Auch seine Karriere verlief nicht immer glanzvoll: Nach einem russischen Raketenangriff auf ein Ausbildungszentrum der Armee mit zwölf Toten und rund 60 Verletzten übernahm er öffentlich die Verantwortung und bot seinen Rücktritt als Heereschef an. Der Schritt machte ihn in der Ukraine für viele zum Gegenentwurf der alten Militärführung: ein General, der Verantwortung übernimmt, statt sie weiterzureichen.

Selenskyj setzt auf Reformen

Wohl auch deshalb setzt Selenskyj jetzt auf Drapatyj. Er solle den Generalstab grundlegend neu aufstellen, eine neue Verteidigungsstrategie ausarbeiten und die Reformen in der ukrainischen Armee beschleunigen. „Die Armee braucht Veränderungen“, schrieb der General erst vor wenigen Tagen. Jetzt kann er sie selbst anstoßen.

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