Ein Gericht in Norwegen hat entschieden, den Sohn von Kronprinzessin Mette-Marit aus der Untersuchungshaft zu entlassen, damit er bei seiner schwer kranken Mutter sein kann. Die Richter in Oslo gaben einem entsprechenden Antrag von Marius Borg Høiby am Montagabend statt. Die Staatsanwaltschaft legte jedoch umgehend Berufung mit aufschiebender Wirkung ein. Daher muss Høiby vorerst in Haft bleiben, bis eine höhere Instanz den Fall geprüft hat.
Hintergrund des Falls
Die Polizei hatte sich zuvor gegen eine Freilassung ausgesprochen. Das Gericht sah dies anders und betonte, dass eine Fortsetzung der Inhaftierung nicht nur für Høiby, sondern auch für seine Mutter in der ohnehin schwierigen Lage sehr belastend wäre. In einer Woche wird das Urteil im Vergewaltigungsprozess gegen den 29-Jährigen verkündet. Die Staatsanwaltschaft fordert sieben Jahre und sieben Monate Gefängnis, während die Verteidigung auf Freispruch von den schwersten Vorwürfen, darunter vier Fälle von Vergewaltigung, plädiert.
Høibys Aussage vor Gericht
„Da drinnen zu sitzen, während Mama so krank ist, ist nicht auszuhalten“, sagte Høiby bei dem Gerichtstermin in Oslo. Es sei sehr hart für ihn, seiner Mutter in ihrer Situation nicht beistehen zu können. Vor Gericht beteuerte der Norweger, dass er jetzt „niemals etwas tun würde, dass die Situation verschlimmert. Das ist undenkbar für mich.“ Zuvor hatte Høiby das Gefängnis am Montag für einige Stunden verlassen dürfen, um an einem Informationstreffen zum Gesundheitszustand der Kronprinzessin teilzunehmen.
Gesundheitszustand von Kronprinzessin Mette-Marit
Der Gesundheitszustand von Mette-Marit hat sich nach Angaben des norwegischen Hofs in letzter Zeit drastisch verschlechtert. Wegen ihrer „lebensbedrohlichen chronischen Lungenkrankheit“ wurde sie auf eine Warteliste für eine Transplantation gesetzt. Bereits im Dezember hatte das Königshaus mitgeteilt, dass die Kronprinzessin eine neue Lunge benötigt. Sie leidet an der unheilbaren Krankheit Lungenfibrose und ist im Alltag auf ein Sauerstoffgerät angewiesen.
Besuch und emotionale Momente
Das Informationstreffen fand am Sitz der Kronprinzenfamilie, Schloss Skaugum, statt. Høiby sagte vor Gericht: „Mama zu Hause zu sehen war ein ganz anderes Erlebnis, als sie im Gefängnis in Oslo zu sehen. Das war eine ganz andere Mama, das war unglaublich gut zu sehen.“ Am Sonntag hatte Mette-Marit ihren ältesten Sohn gemeinsam mit ihrem Mann Haakon in der Haft besucht. „Jeder Sonntag, an dem wir uns sehen, kann das letzte Mal sein, dass wir uns sehen“, sagte Høiby.
Frühere Anträge und Kontaktverbot
Bereits im Mai hatte Høiby erfolglos eine Freilassung aus der Untersuchungshaft mit einer elektronischen Fußfessel beantragt. Der Fall ging damals bis vor das höchste norwegische Gericht. Den neuen Antrag begründeten die Verteidiger mit dem veränderten Gesundheitszustand von Mette-Marit. Høiby sitzt seit Anfang Februar in Untersuchungshaft, nachdem er mehrfach gegen ein Kontaktverbot gegenüber einer Ex-Freundin verstoßen hatte, die auch als mutmaßliches Opfer im Prozess gegen ihn ausgesagt hatte. Høiby bestreitet, dass Wiederholungsgefahr besteht.
Reaktion der Ex-Freundin
Die Ex-Freundin scheint dies anders zu sehen. Mehrere Personen in Høibys Umfeld hätten in letzter Zeit versucht, ihre Mandantin dazu zu bewegen, das Kontaktverbot aufheben zu lassen, sagte ihre Anwältin Mette Yvonne Larsen der Zeitung „Aftenposten“. „Sie hat gesagt, dass sie das Kontaktverbot aufrechterhalten möchte“, so Larsen.



