Das Geburtshaus Adolf Hitlers im österreichischen Braunau an der Grenze zu Bayern ist nach einem jahrelangen Umbau zu einem Polizeizentrum umgewandelt worden. Mit der neuen Nutzung will die Republik Österreich verhindern, dass das Gebäude weiterhin als Pilgerstätte für Neonazis und rechtsextreme Gruppen dient. Der Umbau dauerte mehrere Jahre und kostete rund 20 Millionen Euro.
Historischer Hintergrund des Gebäudes
In dem Haus wurde Adolf Hitler am 20. April 1889 geboren. Allerdings zog seine Familie bereits nach wenigen Monaten in eine andere Unterkunft in Braunau, bevor sie vorübergehend in Passau heimisch wurde. Das Areal umfasst rund 3.000 Quadratmeter samt Nebengebäude und Innenhof. Es war lange Zeit in Privatbesitz, bevor es 2017 enteignet wurde. Künftig werden hier Beamte des Bezirkspolizeikommandos und der Polizeiinspektion ihren Dienst versehen.
Gründe für den Umbau
Bis 2011 war unter anderem eine Behindertenwerkstätte in dem Gebäude untergebracht. Als ein notwendiger Umbau wegen neuer Anforderungen anstand, verweigerte die damalige Besitzerin ihre Zustimmung. Nach einem Rechtsstreit wurde das Areal 2017 enteignet. Eine Expertenkommission sprach sich gegen einen Abriss und gegen ein Museum aus, plädierte stattdessen für eine Umgestaltung ohne hohen Wiedererkennungswert. Das Haus soll unattraktiv für die rechtsextreme Szene sein. Aus Furcht vor NS-Devotionaliensammlern wurde die Baustelle überwacht, der Bauschutt vor Ort geschreddert und mit anderem Material vermischt.
Anziehungskraft für Neonazis
Der Geburtsort des späteren Diktators zog immer wieder einzelne Gruppen aus dem rechtsextremen Umfeld an. Ein Vorfall wurde am 20. April 2024 verzeichnet, als zwei deutsche Pärchen in den Fensternischen Blumen ablegten und für Fotos posierten. Eine Frau soll den Hitlergruß gezeigt haben. Bereits 2021 soll ein 57-jähriger Mann aus Berlin vor dem Geburtshaus einen Kranz niedergelegt haben. Das Problem aus Sicht des Staates sind weniger die offenkundigen Vorfälle, sondern die unerkannten Neonazis, die zu diesem Ort pilgerten.
Neue Nutzung und Sicherheitsvorkehrungen
Abgesehen davon, dass das Gebäude jetzt ganz anders aussieht als zu Hitlers Lebzeiten, ist die Nutzung als Polizeiwache aus Sicht des Staates vorteilhaft. Das Gebäude ist videoüberwacht. Die Polizei könnte sofort zur Stelle sein, um verdächtig wirkende Neugierige zu überprüfen. Nebenbei: Auch Hitlers Neun-Zimmer-Wohnung am Prinzregentenplatz in München gehört seit vielen Jahrzehnten zu einer Polizeiinspektion.
Kritik und Gedenken
Einige Experten hatten sich an diesem Ort eine offensive Auseinandersetzung mit der Nazi-Vergangenheit und ihren Verbrechen gewünscht. Auch jetzt noch besteht der Wunsch, dass zumindest eine mehrsprachige Info-Tafel nahe dem Gebäude für Aufklärung sorgt. Zurzeit erinnert allein ein 1989 aufgestellter Gedenkstein vor dem Haus – aus dem Steinbruch des Konzentrationslagers Mauthausen – an den Terror der Nazi-Jahre: „Für Frieden Freiheit und Demokratie – Nie wieder Faschismus – Millionen Tote mahnen“.
Die Verbrechen des Nationalsozialismus
Hitler entfesselte den Zweiten Weltkrieg, in dem mindestens 60 Millionen Menschen starben. Die meisten Opfer hatte die damalige Sowjetunion zu beklagen. In ihrem Rassenwahn töteten die Nazis im Holocaust rund sechs Millionen Jüdinnen und Juden sowie Menschen aus anderen Gruppen und Minderheiten. In den Nürnberger Kriegsverbrecherprozessen wurden einige Top-Nazis zum Tod verurteilt. Hitler selbst nahm sich im April 1945 kurz vor Kriegsende im Führerbunker das Leben.



