Im österreichischen Braunau am Inn ist das ehemalige Geburtshaus von Adolf Hitler nach einem Umbau für 20 Millionen Euro als Polizeistation neu eröffnet worden. Die Sicherheitsvorkehrungen waren massiv: Hundertschaften der Bundespolizei sicherten die Altstadt, ein Hubschrauber kreiste über dem Gebäude in der Salzburger Vorstadt 15. Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) betonte bei der Eröffnungszeremonie: „Unsere Polizei ist das Gegenteil der dunkelsten Zeit in unserer Geschichte und der NS-Symbolik.“ Das Haus sei nun „ein Ort der Demokratie, der Rechtsstaatlichkeit, Sicherheit, Freiheit und der Menschenwürde“.
Jahrelanger Streit um die Nutzung
Die Entscheidung, das Haus der Polizei zu übergeben, beendet eine 15 Jahre währende Debatte. Nachdem die Lebenshilfe, eine Organisation für Menschen mit Behinderungen, 2011 aus dem heruntergekommenen Gebäude ausgezogen war, stand die Frage im Raum: Was tun mit diesem Ort, der untrennbar mit dem Nationalsozialismus verbunden ist? Die damalige Besitzerin verweigerte Renovierungen und ließ das Haus verfallen, bis das Innenministerium 2017 enteignete und 812.000 Euro Entschädigung zahlte.
Verschiedene Ideen und die Lösung „Polizei“
Es gab zahlreiche Vorschläge: Der damalige Innenminister Wolfgang Sobotka (ÖVP) plädierte für einen Abriss – „Für mich wäre ein Schleifen die sauberste Lösung.“ Dies wurde jedoch als Geschichtsverdrängung kritisiert. Auch eine Rückkehr der Lebenshilfe oder ein Jugendbegegnungszentrum waren im Gespräch, scheiterten aber. Schließlich setzte sich die Idee von Karl Nehammer (ÖVP), später kurzzeitig Kanzler, durch: Die Polizei als „Garant der Demokratie“ solle einziehen. Dieser Schritt wird als „Neutralisierung“ des belasteten Ortes bezeichnet.
Gedenkstein bleibt vor Ort
Ein zentraler Punkt war der Mahnstein vor dem Haus, der seit 1989 an die Opfer des Nationalsozialismus erinnert. Das Innenministerium wollte ihn ins „Haus der Geschichte Österreich“ nach Wien bringen. Doch viele Braunauer, darunter Florian Kotanko vom „Verein für Zeitgeschichte Braunau“, wehrten sich. Kotanko sagte dem Tagesspiegel: „Der Stein bleibt da. Sonst wäre das eine Entsorgung von Geschichte.“ Er ist 77 Jahre alt, in Braunau geboren und betont: „Ich bin kein Nazi.“ Mit der Polizeilösung und dem Erhalt des Steins zeigt er sich zufrieden: „Es ist die Polizei einer Demokratie. Wenn Polizisten das Recht brechen, werden sie belangt.“
Umbau und neue Nutzung
Die denkmalgeschützte Fassade wurde originalgetreu restauriert, das Innere komplett für die Polizei umgebaut. Es gibt Veranstaltungsräume, Büros, einen Vernehmungsraum und eine Arrestzelle. Bei der Eröffnung spielte die Polizeimusik Oberösterreich, und der Polizeiseelsorger Johann Holzinger segnete zwei Holzkreuze, die im Haus angebracht werden. Sie sollen „Halt geben und Orientierungszeichen sein“. Kotanko resümiert: „Es ist sinnlos, dagegen anzukämpfen, dass Braunau der Geburtsort Hitlers war. Die Frage ist: Wie geht man damit um?“ Er sieht eine Verantwortung für die Gedenkkultur und wünscht sich mehr Informationen für Besucher.



