Ein ICE-Beamter, der am Montag in Biddeford, Maine, den kolumbianischen Einwanderer Durán Guerrero erschoss, hat nach Angaben seiner Ex-Frauen eine lange Geschichte gewalttätigen Verhaltens. David Brouilette, 37, Armee-Veteran und seit Kindheit mit psychischen Problemen belastet, hätte niemals eine Dienstmarke und Waffe erhalten dürfen, sagten mehrere Vertraute der Nachrichtenagentur AP.
Gewalttätige Vergangenheit des Schützen
Brouilettes Ex-Frau Ashley Brouilette berichtete, dass er ihr 2009 kochend heißes Wasser nachwarf, während sie ihr gemeinsames Kind hielt. Sie ließ sich zwei Jahre nach der Hochzeit scheiden. Eine zweite Ex-Frau erhob über Jahre hinweg Vorwürfe körperlicher und verbaler Misshandlung, dokumentiert in Hunderten von Familiengerichtsakten. Eine Sprachnachricht aus dem Winter 2025, die AP vorliegt, enthält die Drohung: „Jemand sollte dir die Kehle durchschneiden.“
Als Brouilette Ende 2025 seiner Ex-Frau mitteilte, dass er von ICE eingestellt worden sei, hielt sie dies für eine Wahnvorstellung. Erst als diese Woche Videos der tödlichen Schüsse im Internet auftauchten, wurde ihr bewusst, dass er die Wahrheit gesagt hatte.
Fragen zur Einstellungspraxis der ICE
Der Fall wirft erneut Fragen zur Hintergrundprüfung von ICE-Rekruten auf. „Die Trump-Regierung hat 12.000 Beamte auf unsere Straßen geschickt, ohne sicherzustellen, dass sie geeignet sind, eine Dienstmarke und eine Waffe zu tragen“, kritisierte der demokratische Senatsminderheitsführer Chuck Schumer. Er warf den Republikanern vor, der Behörde weitreichende Befugnisse ohne Rechenschaftspflicht eingeräumt zu haben.
Brouilette hatte am Montag den 26-jährigen Kolumbianer Durán Guerrero erschossen, der eine gültige Aufenthaltserlaubnis besaß und nicht Ziel der Ermittlungen war. Nach Angaben der Generalstaatsanwaltschaft von Maine sollte bei dem Einsatz ein Abschiebungsbescheid durchgesetzt werden. Der Verdächtige habe versucht, mit einem Auto in Richtung eines ICE-Beamten zu fliehen, woraufhin dieser das Feuer eröffnete.
Bundesweite Opferzahlen steigen
Seit Beginn der Massenabschiebekampagne von Präsident Donald Trump sind laut AP mindestens zehn Menschen bei Zusammenstößen mit Einwanderungsbeamten ums Leben gekommen. Weniger als eine Woche vor dem Tod des Kolumbianers töteten ICE-Beamte in Texas einen mexikanischen Einwanderer, der über 30 Jahre in den USA gelebt hatte.
Der Fall Brouilette verdeutlicht die Kritik an der Einstellungspraxis der ICE: Der Beamte war in Maine nicht vorbestraft, doch die jahrelangen Misshandlungsvorwürfe blieben offenbar unberücksichtigt. „Die Republikaner haben dieser skrupellosen Behörde weitreichende Befugnisse eingeräumt, ohne sie zur Rechenschaft zu ziehen“, so Schumer.



