Das auffällig enge Verhältnis zwischen Fifa-Präsident Gianni Infantino und US-Präsident Donald Trump weckt zunehmend Misstrauen im US-Kongress. Der einflussreiche demokratische Abgeordnete Jamie Raskin forderte den Fußball-Weltverband am Dienstag auf, bis zum 9. August umfassende Informationen über sämtliche Kontakte zur US-Regierung vorzulegen. Zudem verlangte er von Infantino, persönlich vor dem Justizausschuss des Repräsentantenhauses zu erscheinen, sobald er sich in den USA aufhalte.
Ermittlungen mit politischer Fallhöhe
Raskin, ranghöchster Demokrat im Justizausschuss, könnte bei einem Sieg seiner Partei bei den Novemberwahlen den Vorsitz übernehmen und den Nachforschungen mehr Gewicht verleihen. Aus dem Lager der Demokraten hieß es über eine anonyme Quelle in der «New York Times», aus den heutigen Fragen könnten später formelle Untersuchungen werden. Die Republikaner halten derzeit die Mehrheit im Repräsentantenhaus.
Friedenspreis und rote Karte: Fragwürdige Gefälligkeiten
Infantino wird vorgeworfen, sich mit ungewöhnlichen Gefälligkeiten das Wohlwollen Trumps gesichert zu haben. Nachdem Trump keinen Friedensnobelpreis erhalten hatte, verlieh die Fifa unter Infantinos Ägide einen neu geschaffenen Friedenspreis an den Republikaner. Während der laufenden Weltmeisterschaft sorgte zudem die Aufhebung einer Roten Karte gegen US-Stürmer Folarin Balogun für Aufsehen – angeblich nach einem Telefonat Trumps mit Infantino. Die Fifa betonte, die Entscheidung sei von der unabhängigen Disziplinarkommission getroffen worden.
Mietvertrag im Trump Tower
In seinem Brief verwies Raskin auch auf die Anmietung eines Büros im New Yorker Trump Tower durch die Fifa, das bei Marktpreisen rund 600.000 Dollar pro Jahr kosten dürfte. Zusammen mit dem «urkomisch unechten» Friedenspreis erwecke dies den Eindruck, die Fifa verspreche sich davon Vergünstigungen von der Trump-Regierung, schrieb der Kongressabgeordnete. Er forderte eine vollständige Liste aller Geldtransfers und Geschenke an Trump, seine Regierung und Familienmitglieder sowie die Offenlegung jeglicher Kommunikation über die viel kritisierten WM-Ticketpreise. Zudem verlangte er Besucherlisten der Fifa-Büros in Miami und New York.



