Der Iran hat nach Angaben der iranischen Nachrichtenagentur Tasnim die indirekten Verhandlungen mit den USA über eine Beendigung des Konflikts in der Golfregion vorerst eingestellt. Grund dafür seien die „anhaltenden Verbrechen“ Israels im Libanon. Das iranische Verhandlungsteam setze daher den Dialog und den Austausch von Botschaften über Vermittler aus, berichtete Tasnim weiter.
Trump äußert sich zu den Entwicklungen
US-Präsident Donald Trump erklärte gegenüber dem Sender NBC News, er habe bislang keine offizielle Stellungnahme aus Teheran erhalten. „Wenn Sie die Wahrheit wissen wollen – ich glaube, wir haben zu viel geredet“, sagte Trump. „Ich denke, zu schweigen wäre sehr gut, und das könnte für eine lange Zeit so sein.“
Blockade der Straße von Hormus geplant
Laut Tasnim planen der Iran und die mit ihm verbündete „Widerstandsfront“ – zu der Gruppen im Jemen, Libanon und Irak gehören – eine vollständige Blockade der strategisch wichtigen Straße von Hormus. Zudem solle eine weitere Front an der Meerenge Bab al-Mandab vor der Küste des Jemen eröffnet werden, um Israel und dessen Unterstützer zu bestrafen.
Erst wenn die Forderungen Teherans erfüllt seien, werde es wieder Gespräche geben. Dazu gehören ein sofortiges Ende der israelischen Militäreinsätze im Gazastreifen und im Libanon sowie der vollständige Abzug Israels aus den besetzten Gebieten im Libanon.
Waffenstillstände geraten unter Druck
Die ohnehin fragilen Waffenstillstände in der Region stehen damit weiter unter Druck. Der iranische Außenminister Abbas Araghtschi erklärte auf der Plattform X, ein Bruch der Feuerpause an einer Front sei ein Bruch an allen Fronten. Die USA und Israel seien für die Folgen verantwortlich.
Das israelische Militär forderte unterdessen die Bewohner der südlichen Vororte von Beirut zur Evakuierung auf und drohte mit neuen Angriffen, sollte die Hisbollah-Miliz weiterhin Raketen abfeuern. Ministerpräsident Benjamin Netanjahu befahl, die Truppen im Libanon weiter vorrücken zu lassen.
Auswirkungen auf die Finanzmärkte
Die europäischen Börsen reagierten negativ auf die Nachrichten. Der Dax verlor 0,4 Prozent, der Euro-Stoxx-50 gab um 0,6 Prozent nach. Händler verwiesen auf Berichte, wonach ein Waffenstillstand im Libanon Teil einer Einigung zwischen dem Iran und den USA sein müsste. Israel hatte zuvor seine Offensive im Nachbarland ausgeweitet. Wirklich überraschend sei dies jedoch nicht, hieß es.
Die Ölpreise stiegen derweil deutlich. WTI kletterte um 2,9 Prozent auf 89,90 US-Dollar pro Barrel, Brent legte um 2,3 Prozent auf 93,23 US-Dollar zu. Grund sei das Ausbleiben einer Einigung zwischen den USA und dem Iran über das Wochenende, während beide Seiten weiterhin Angriffe austauschten. „Obwohl beide Seiten überarbeitete Vorschläge ausgetauscht haben, haben das Fehlen eines klaren Durchbruchs und erneute Zwischenfälle in der Region die Sorge verstärkt, dass die Beschränkungen für die Straße von Hormus länger als erwartet in Kraft bleiben könnten“, schrieb Joseph Dahrieh von Tickmill in einer Research Note.



