Die iranische Tageszeitung „Hamshahri“ hat auf ihrer Website eine Collage veröffentlicht, die westliche Regierungschefs in Häftlingskleidung zeigt und zur Vergeltung aufruft. Im Fadenkreuz erscheinen US-Präsident Donald Trump und Israels Regierungschef Benjamin Netanjahu. Auch Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) ist in orangefarbener Häftlingskleidung abgebildet, zusammen mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron und dem zurückgetretenen britischen Premierminister Keir Starmer. Insgesamt sind 13 Personen zu sehen, darunter US-Verteidigungsminister Pete Hegseth, US-Außenminister Marco Rubio und Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni.
„Hamshahri“: Auflagenstarke Zeitung aus Teheran
„Hamshahri“ (übersetzt: „Die Mitbürger“) wird von der Stadtverwaltung Teheran herausgegeben und zählt mit einer Auflage von rund 400.000 Exemplaren zu den auflagenstärksten Zeitungen des Landes. Auf der Infografik steht auf Persisch: „Widerstandsfront. Rache ist unvermeidlich. Die Verbrecher werden den Wunsch nach dem Tod mit sich tragen.“ Die Bildunterschrift lautet: „Eine Liste derjenigen, die auf die Vergeltung des iranischen Volkes warten müssen.“ In der Grafik heißt es weiter: „Die Verbrecher werden den Wunsch nach einem ruhigen Tod mit ins Grab nehmen.“
Hintergrund: Eskalation zwischen USA, Israel und Iran
Die Veröffentlichung erfolgt vor dem Hintergrund anhaltender Spannungen. US-Präsident Trump hatte am Mittwoch erklärt, der Iran trachte ihm nach dem Leben: „Ich bin Nummer eins auf der Todesliste.“ Am Samstag kündigte Irans oberster Führer Modschtaba Chamenei „Rache“ für die Tötung seines Vaters Ali Chamenei an. Der frühere Staatsoberhaupt war am 28. Februar durch einen israelischen Luftangriff auf seinen Amtssitz in Teheran getötet worden. Daraufhin führten die USA und Israel mehr als fünf Wochen Krieg gegen den Iran, bis Anfang April eine Waffenruhe vereinbart wurde. Chamenei wurde vor dem Wochenende unter Ausschluss der Öffentlichkeit in Maschhad bestattet.
Merz‘ Äußerungen als möglicher Auslöser
Bundeskanzler Friedrich Merz hatte während der landesweiten Proteste im Iran im Januar erklärt, das Regime sei „faktisch am Ende“ und er rechne mit dessen baldigem Sturz. Diese Äußerung könnte der Grund für seine Aufnahme in die Collage sein. Zum neuen Staatsoberhaupt im Iran wurde Chameneis Sohn Modschtaba ernannt, der bei den Angriffen schwer verletzt worden sein soll und seitdem nicht öffentlich aufgetreten ist. Mehrere Verlautbarungen, darunter die Racheankündigung vom Samstag, werden ihm zugeschrieben.



