Linda Noskova hat Wimbledon gewonnen – und ihren größten Triumph ihrer vor zwei Jahren verstorbenen Mutter Ivana gewidmet. Die 21-jährige Tschechin setzte sich im Finale des prestigeträchtigsten Tennisturniers der Welt gegen ihre Landsfrau und Freundin Karolina Muchova mit 6:2, 5:7, 6:3 durch. Nach dem Matchball schickte sie einen Handkuss gen Himmel, blickte nach oben und hatte Tränen in den Augen.
Emotionale Widmung an die verstorbene Mutter
„Es gibt noch eine Person, der ich danken möchte. Das ist meine Mum. Ich würde definitiv nicht ohne sie hier stehen“, sagte Noskova bei der Siegerehrung. Ihre Mutter Ivana starb vor zwei Jahren direkt vor dem Auftakt von Wimbledon. Noskova, damals 19, spielte dennoch und gewann erstmals ein Match beim Londoner Rasenturnier. Nun krönte sie sich als dritte Tschechin in vier Jahren zur Wimbledon-Siegerin und ist die jüngste seit Petra Kvitova 2011.
Nerven-Drama im Finale
Das Finale zwischen den beiden Freundinnen, die bei den Olympischen Spielen 2024 gemeinsam Doppel spielten, wurde zur großen mentalen Prüfung. Noskova dominierte zunächst klar und steuerte auf einen Sieg in 68 Minuten zu. Doch bei 5:2 im zweiten Satz vergab sie die ersten drei Matchbälle, später weitere bei 5:3 und 5:4. „Meine Hand ist in manchen Momenten regelrecht erstarrt. Ich konnte mich nicht mehr so schnell bewegen“, schilderte sie. Sie steckte sich die Finger in die Ohren, um den Lärm auszublenden, und versteckte sich während der Seitenwechsel unter einem Wimbledon-Handtuch.
Der Wendepunkt: Die Trophäen als Ansporn
Nachdem sie fünf Spiele in Serie und den zweiten Satz verloren hatte, verließ Noskova den Platz – und kam an den bereitgestellten Trophäen vorbei. „Ich habe mir einfach etwas kaltes Wasser ins Gesicht gespritzt. Aber was mir wirklich geholfen hat – schon als ich den ersten Schritt vom Platz gemacht habe – waren die Trophäen, die dort standen. Ich dachte mir: Die kleine nehme ich nicht, ich nehme die große. Ich war so nah dran. Das wird wahrscheinlich der größte Herzschmerz meines Lebens sein“, sagte sie. Diese Erkenntnis half ihr, im dritten Satz eine mental reife Leistung zu zeigen und den sechsten Matchball mit einem krachenden Aufschlag zu nutzen.
Anspannung und Erlösung
Der dreimalige Wimbledon-Sieger John McEnroe sprach von einer der „größten mentalen Leistungen, die man auf diesem Platz je sehen wird“. Tennisikone Martina Navratilova, die in der Royal Box saß, war bei Noskovas emotionaler Ansprache zu Tränen gerührt. Noskovas Vater Drahos Nosek, der auf der Tribüne mitgefiebert hatte, nahm seine Tochter stolz in die Arme, als sie vor der Siegerehrung zu ihm kam. Die unterlegene Muchova begann ihre Ansprache mit den Worten: „Meine Ex-Freundin“ – und fügte scherzend hinzu: „Du bist noch so jung, und das war dein erstes Grand-Slam-Finale – und wie du damit umgegangen bist, das war wirklich unglaublich.“



