Minijobs: Ein Auslaufmodell?
Die Bundesregierung möchte die geringfügigen Beschäftigungen abschaffen – zumindest in ihrer aktuellen Form. Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sieht das anders und lehnt eine Abschaffung ab. Doch laut einem Kommentar von Wolfgang Mulke, freier Journalist für die Funke Mediengruppe, wäre ein Abbau der meisten Minijobs ökonomisch sinnvoll.
Laut Branchenverband Dehoga arbeitet die Hälfte aller Beschäftigten im Hotel- und Gaststättengewerbe auf Minijob-Basis. Dies seien 1,1 Millionen Menschen. Diese Zahl verdeutlicht die Bedeutung der Minijobs in bestimmten Branchen, aber auch die Abhängigkeit von einem System, das aus Sicht vieler Experten reformbedürftig ist.
Ausnahmen für bestimmte Gruppen
Mulke plädiert dafür, Minijobs für bestimmte Gruppen zu erhalten: Schüler, Studenten und Rentner. Bei Schülern und Studenten sei klar, dass sie ohnehin nur nebenbei arbeiten können. Für Rentner seien Minijobs ein wirksames Instrument gegen Altersarmut. Bei allen anderen Alters- und Berufsgruppen wäre ein Abbau dieser Subvention ökonomisch sinnvoll.
Minijobs als Brücke in den Arbeitsmarkt?
Ihren Zweck hätten die geringfügigen Beschäftigungen nie erfüllt. Sie sollten für Arbeitslose zu einer Brücke in den Arbeitsmarkt werden. Aber Studien zeigen, dass die Minijobs den Aufbau von hunderttausenden sozialversicherungspflichtigen Stellen verhindert haben. Statt einer Brücke seien sie häufig eine Sackgasse, die den Übergang in reguläre Beschäftigung erschwere.
Viele Arbeitgeber schätzen Minijobs, halten sie den Laden doch in einigen Branchen erst am Laufen. In der Gastronomie, im Handel oder auch in der Landwirtschaft sind sie fester Bestandteil der kalkulierten Arbeitskosten. Insofern macht Bayerns Ministerpräsident Markus Söder durchaus einen Punkt in seiner Ablehnung einer Abschaffung der Minijobs.
Probleme der Sozialkassen
Jedoch werden Arbeitgeber und Beschäftigte zulasten der Sozialkassen durch geringe Abgaben gefördert. Das ist aus zwei Gründen fragwürdig. Erstens steht die Sozialversicherung finanziell ziemlich schlecht da. Jeder zusätzliche Beitrags-Euro ist daher willkommen. Zweitens gibt es nach wie vor einen Mangel an Arbeitskräften.
Daher sollten alle Möglichkeiten zur Ausweitung der geleisteten Arbeitsstunden auch genutzt werden. Die Zehn-Stunden-Woche der Minijobber passt da nicht ins Bild. Liebgewonnene Subventionen lassen sich bekanntlich nur schwer wieder streichen. Hier sollte es mit Ausnahmen endlich einmal gelingen.
Wolfgang Mulke ist Wirtschaftskorrespondent und kommentiert für die Funke Mediengruppe. Sein Fazit: Minijobs sind ein Relikt, das den Arbeitsmarkt eher behindert als fördert. Ein gezielter Abbau, bei dem die sozial Schwächsten geschützt werden, wäre der richtige Weg.



