Die israelische Armee hat am Sonntag die südlichen Vororte der libanesischen Hauptstadt Beirut angegriffen. Diese gelten als Hochburg der proiranischen Hisbollah-Miliz. Das Militär habe Ziele in der Gegend Dahija attackiert als „Antwort auf Angriffe der Hisbollah auf israelisches Territorium“, erklärten Ministerpräsident Benjamin Netanyahu und Verteidigungsminister Israel Katz in einer gemeinsamen Mitteilung.
Präziser Schlag gegen Infrastruktur
Die israelische Armee teilte mit, sie habe eine Infrastruktur-Anlage in Dahija „präzise getroffen“. Die amtliche libanesische Nachrichtenagentur NNA berichtete wiederum, ein Angriff habe den südlichen Vorort Ghobeiry getroffen. Mindestens ein Mensch ist demnach gestorben, vier weitere wurden verletzt. Augenzeugen sagten der Nachrichtenagentur dpa zufolge, in dem getroffenen Gebäude habe die Hisbollah ein Büro gehabt.
Ein Fotograf der Nachrichtenagentur AP vor Ort in Beirut sagte, das getroffene Gebäude sei ein fünfstöckiges Wohnhaus mit Geschäften im Erdgeschoss. Die beiden unteren Stockwerke seien durch die Angriffe am stärksten beschädigt worden. Viele Bewohner der südlichen Vororte waren in den vergangenen Wochen in ihre Häuser zurückgekehrt. Nun sei zu sehen gewesen, wie sie aus der Gegend flohen.
Explosionen und Rauchwolken
Arabische Fernsehsender zeigten Bilder eines Luftangriffs in dem Gebiet, auf denen hohe Rauchwolken zu sehen waren. Anwohner berichteten örtlichen Medien zufolge von mindestens zwei Explosionen. Auch ein Korrespondent der Nachrichtenagentur AFP hörte mehrere Explosionen in den südlichen Vororten.
Israelische Minister verlangten Vergeltung
Zuvor hatte die israelische Armee von drei Angriffen mit Drohnen auf den Norden Israels gesprochen, die sie der Hisbollah zuschrieb. „Es wurden zwei Einschläge verdächtiger Geschosse auf israelischem Gebiet in der Nähe der israelisch-libanesischen Grenze festgestellt. Es wurden keine Verletzten gemeldet“, hieß es in einer ersten Stellungnahme des Militärs. Später erklärten die Streitkräfte, ein weiteres „feindliches Fluggerät“ sei in den israelischen Luftraum vorgedrungen. Daraufhin hatten zwei israelische Minister Vergeltungsangriffe auf Beirut verlangt. Er habe Ministerpräsident Benjamin Netanyahu aufgefordert, „Gebäude in Dahija zu zerstören“, schrieb Finanzminister Bezalel Smotrich auf der Plattform X. „Für jede Drohne eine Rakete“, erklärte Sicherheitsminister Itamar Ben-Gvir.
Am Morgen hatte die israelische Armee die Bewohner von 29 Ortschaften im Süden des Libanon dazu aufgerufen, sich wegen der geplanten Angriffe in Sicherheit zu bringen. Bereits am Samstag hatte Israels Armee erneut Angriffe auf Ziele der Hisbollah-Miliz im Süden des Libanon geflogen.
Waffenruhe brüchig
Eigentlich gilt im Libanon seit April eine Waffenruhe. Israel und die Hisbollah-Miliz werfen einander vor, fortlaufend gegen die Bestimmungen der Vereinbarung zu verstoßen. Israelische Truppen sind im Südlibanon im Einsatz. Die von Iran unterstützte Hisbollah lehnt Verhandlungen mit Israel ab.



