IStGH-Mitarbeiterin erhebt schwere Vorwürfe gegen Chefankläger Khan
IStGH-Mitarbeiterin erhebt schwere Vorwürfe gegen Khan

Eine Juristin des Internationalen Strafgerichtshofs (IStGH) hat in einem CNN-Interview erstmals öffentlich schwere Vorwürfe gegen den suspendierten Chefankläger Karim Khan erhoben. Die unter dem Pseudonym „Sarah“ auftretende Frau wirft Khan sexuelle Nötigung und Machtmissbrauch vor. Sie ist eine von zwei Frauen, die entsprechende Anschuldigungen gegen den 56-Jährigen vorgebracht haben.

Vorwürfe: Sexuelle Übergriffe und Machtmissbrauch

Sarah schilderte gegenüber CNN-Journalistin Christiane Amanpour detailliert einen Vorfall in Kolumbien: Khan sei in ihr Hotelzimmer gekommen, habe sie an intimen Stellen berührt und seine Zunge in ihr Ohr gesteckt, während sie vorgab zu schlafen. Sie fühlte sich „gedemütigt“ und betonte, dass sie diese Situation nie gewünscht habe. Khan habe zudem seine Hand in ihre Leggings geschoben. Die Juristin arbeitet seit 2017 für den IStGH und stammt ursprünglich aus Malaysia.

Eine zweite Frau, die unter dem Pseudonym „Patricia“ auftritt, sprach ebenfalls mit Amanpour. Patricia hatte sich bereits im vergangenen Jahr beim „Guardian“ gemeldet und arbeitete in ihren Zwanzigern für Khan. Sie beschrieb, dass Khan seit ihrer Zeit als Praktizistin „immer mehr Macht angehäuft und ist immer dreister geworden“ sei. „Bei einem solchen Machtgefälle kann es unmöglich einvernehmlich sein“, erklärte sie.

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Reaktionen und Disziplinarverfahren

Khan bestreitet alle Vorwürfe. Seine Anwältin Sareta Ashraph erklärte gegenüber CNN, er weise „jegliche Form von sexuellem Kontakt oder einer Beziehung, sei es einvernehmlich oder ohne Einwilligung“ mit dem mutmaßlichen Opfer zurück. Eine Untersuchungskommission der Vereinten Nationen hat zu dem Fall ermittelt. Khan war im vergangenen Jahr vorübergehend zurückgetreten, und im Juni suspendierte das Aufsichtsgremium des Gerichts ihn für die Dauer des Disziplinarverfahrens. Diplomaten, die das Gremium leiten, kamen laut Dokumenten, die Reuters vorliegen, zu dem Schluss, dass Khan tatsächlich eine unangemessene sexuelle Beziehung zu einer jüngeren Mitarbeiterin hatte und entlassen werden sollte.

Abstimmung über Amtsenthebung

Der CNN-Bericht erscheint zu einem Zeitpunkt, an dem der IStGH unter intensiver Beobachtung steht. Die Mitgliedsstaaten bereiten sich darauf vor, am 24. Juli darüber abzustimmen, ob Khan seines Amtes enthoben werden soll. Khan hatte wegen des Gazakrieges einen Haftbefehl gegen den israelischen Premier Benjamin Netanyahu erwirkt und die Vorwürfe der mutmaßlichen Opfer in Zusammenhang mit diesem Antrag gestellt. „Dies ist ein Moment, in dem ich und der Internationale Strafgerichtshof Ziel von zahlreichen Angriffen und Drohungen sind“, erklärte Khan.

Sarahs Arbeitsumfeld und Ängste

Sarah begann im Februar 2023 als Assistentin für Khan zu arbeiten. Ihre Aufgaben umfassten, „im Wesentlichen alle Aufgaben zu erledigen, die Herr Khan benötigte“. Sie erinnerte sich, dass sie während der Vorstellungsgespräche wiederholt gefragt wurde: „Sind Sie bereit, Herrn Khan auf alle Einsätze zu begleiten?“ Sie machte auch die Strukturen verantwortlich: „Das war kein isolierter Fall. Wir befanden uns in einem Umfeld, in dem wir ständig in Bewegung waren. Es gab immer wieder Krisen. Außerdem ist die Arbeit, die man dort leistet, sehr emotional.“ Ihre Aufgabe sei es auch gewesen, Khans „Emotionen zu regulieren“. Sie beschrieb ihren damaligen Chef als einen einfach zu reizenden Menschen: „Er konnte innerhalb kürzester Zeit von einer gelassenen und kooperativen Haltung in Wut verfallen, beispielsweise aufgrund von Kritik in den sozialen Medien. Dann brach diese Wut über einen herein, sodass man immer das Gefühl hatte, der Boden würde sich unter einem wegbewegen.“

Sarah erklärte, sie habe Angst gehabt, Khans Annäherungsversuche abzulehnen, aus Furcht, ihren Job und ihr Arbeitsvisum zu verlieren, das ihr ermöglichte, mit ihrem Mann und ihrem Sohn in den Niederlanden zu leben. Sie wies zudem Online-Gerüchte zurück, sie arbeite für den israelischen Geheimdienst Mossad. Sie habe sich umfangreichen Sicherheitsüberprüfungen unterzogen, um eng mit Khan und seinem Vorgänger zusammenarbeiten zu können. „Wenn es jemals auch nur den geringsten Verdacht gegeben hätte, dass ich eine staatliche Agentin jeglicher Art sei, wäre ich entlassen worden“, sagte sie.

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