In den USA hat sich der Widerstand gegen Künstliche Intelligenz und die dahinterstehenden Unternehmen massiv verschärft. Drohungen gegen Führungskräfte, Anschläge auf Einrichtungen und eine Welle von Protesten gegen Rechenzentren prägen das Bild. Der Bundesstaat New York reagierte mit einem einjährigen Baustopp für neue Rechenzentren.
Drohungen und Anschläge nehmen zu
Laut einem Bericht des „Wall Street Journal“ (WSJ) ist die Lage für Tech-Manager zunehmend bedrohlich. Im April erschien ein Mann im Büro des KI-Unternehmens Anthropic und warnte einen Manager, dass dieser „getötet“ werde. Nur Tage zuvor hatte ein 20-Jähriger einen Molotow-Cocktail auf das Haus von OpenAI-Chef Sam Altman geworfen und versucht, in die Firmenzentrale einzudringen. Er führte ein „Anti-KI-Manifest“ mit einer Liste von Zielpersonen bei sich. Ein weiterer Mann drohte Mitarbeitern von Anthropic, er werde ihre Kinder „häuten“, weil sie seinen Arbeitsplatz gestohlen hätten.
Eine weitere Drohung richtete sich online gegen ein KI-Unternehmen: Ein Kunde verlangte eine Rückerstattung und bestand auf einem menschlichen Gesprächspartner. „Da ihr euch weigert, mir einen echten Ansprechpartner zu nennen und mir mein Geld zu erstatten, werde ich mit meiner Pistole in euer Büro kommen, und dann werden wir uns verdammt noch mal über mein Geld unterhalten“, drohte er. In San Francisco beschimpfen täglich Menschen ein KI-Café, dass KI die Mieten hochtreibe und „unser Wasser stiehlt“.
Zahlen belegen Eskalation
Seit Februar hat sich die Lage laut einer Sicherheitsagentur dramatisch verschärft. Digital formulierte Drohungen versiebenfachten sich bis Mai, im Juni gingen sie leicht zurück. „Mich hat überrascht, wie schlimm es innerhalb so kurzer Zeit geworden ist“, sagte Jonathan Graff, Chef der Sicherheitsfirma Liferaft. Im ersten Quartal 2026 blockierten Rechenzentrumsgegner mindestens 75 Bauprojekte im Wert von 130 Milliarden US-Dollar. Die Zahl der aktiven Oppositionsgruppen stieg in 49 von 50 Bundesstaaten auf 833 – mehr als eine Verdopplung.
Palantir-Chef Alex Karp warnte auf einer Konferenz: „Wenn man den Leuten sagt, ihr Job werde wegfallen, greifen die Leute zur Mistgabel.“ Er sieht politische Unruhen als größte Herausforderung der Branche. „Keiner von uns wird Geld verdienen, wenn das Land auseinanderbricht“, so Karp. Einige KI-Unternehmen haben reagiert und mehr Sicherheitspersonal eingestellt. Im Silicon Valley wird Mitarbeitern geraten, in unbekannten Gegenden keine Firmenlogos zu zeigen.
Umfragen zeigen breite Ablehnung
Eine breite Mehrheit der US-Amerikaner lehnt den schnellen Bau von Rechenzentren ab. Im März hielten nur 33 Prozent dies für eine gute Idee, 64 Prozent waren dagegen. Lediglich 14 Prozent würden einen Bau in ihrer Nähe unterstützen, 57 Prozent lehnten dies ab. 77 Prozent befürchteten höhere Strompreise.
Proteste gegen Mega-Projekt in Utah
Ein Beispiel für den Widerstand ist das „Stratos“-Projekt in Utah. Auf einer Fläche von 160 Quadratkilometern – doppelt so groß wie Manhattan – soll ein gigantisches Rechenzentrum mit eigenem Gaskraftwerk entstehen. Bei öffentlichen Diskussionen wurden Kommunalpolitiker mit dem Tode bedroht. Der Energieverbrauch würde den des gesamten Bundesstaates übersteigen, und der Wasserverbrauch belastet eine ohnehin trockene Region. Laut einer Analyse des Physikers Rob Davies von der Utah State University würden die klimaschädlichen Emissionen des Bundesstaates um etwa 50 Prozent steigen. Die Abwärme könnte die Tagestemperaturen im Hansel-Tal um 1,1 bis 2,7 Grad und die Nachttemperaturen um 4,4 bis 6,6 Grad erhöhen. „Die thermische Belastung durch das geplante Stratos-Projekt ist extrem“, schreibt Davies. „Diese Anlage führt zu einer erheblichen Austrocknung eines Wassereinzugsgebiets und eines Ökosystems, das sich bereits in einem aktiven Zusammenbruch befindet.“
Ein Investor verteidigte das Projekt: Es zeige „den Chinesen und dem Rest der Welt, dass wir es ernst meinen“. Gegner sammeln Unterschriften für eine Volksabstimmung.
New York verhängt Baustopp
Der Bundesstaat New York hat als Reaktion einen kompletten, einjährigen Baustopp für Rechenzentren verhängt. Gouverneurin Kathy Hochul, eine Demokratin, begründete dies: „Der Bau von Rechenzentren droht unsere Rechnungen in die Höhe zu treiben, unsere Ressourcen zu erschöpfen und verursacht Unsicherheit für die New Yorker.“ Hochul tritt im November zur Wiederwahl an und will steigende Energiepreise vermeiden. Bislang ist sie eine Ausnahme: Viele Politiker sind vorsichtig, da KI-Konzerne viel Geld für Wahlkampffinanzierung und Arbeitsplätze versprechen.



