Klopp entsetzt über Trumps angebliche Einflussnahme im Fall Balogun
Klopp entsetzt über Trumps Einflussnahme im Fall Balogun

Klopp: „Das ist verrückt, das stellt alles infrage“

Der designierte Bundestrainer Jürgen Klopp hat fassungslos auf die Aufhebung der Roten Karte gegen den US-Nationalspieler Folarin Balogun reagiert. „Wenn es tatsächlich so war, dass Trump und Infantino das miteinander ausgemacht haben, dann ist das verrückt, das stellt alles infrage“, sagte Klopp als Experte bei MagentaTV. „Das ist unser Spiel, nicht deren Spiel.“

Klopp bezog sich auf Medienberichte, wonach US-Präsident Donald Trump persönlich bei FIFA-Präsident Gianni Infantino interveniert haben soll, um die Sperre gegen Balogun aufzuheben. „Diese beiden Menschen, die beide keine Ahnung von Fußball haben, sollten gar nichts damit zu tun haben“, ergänzte der 57-Jährige. Das Foul von Balogun im Spiel gegen Bosnien-Herzegowina, bei dem er nach einem Luftduell unabsichtlich auf dem Knöchel seines Gegners gelandet war, bewertete Klopp eindeutig: „Da gibt es keine zwei Meinungen. Das ist eine rote Karte. So leid uns das tut, weil Balogun will das nicht. Aber das sagen die Regeln.“

DFB und UEFA fordern Aufklärung

DFB-Präsident Bernd Neuendorf forderte die FIFA in einer Stellungnahme auf, zu den Medienberichten Stellung zu beziehen: „Der Eindruck, dass es hier eine aktive Einflussnahme der Politik auf den Sport gegeben hat, muss zügig und schlüssig ausgeräumt werden. Es geht um die Integrität des Wettbewerbs und die Glaubwürdigkeit der FIFA.“

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Die UEFA gab ein Statement ab, in dem sie ihre „Fassungslosigkeit angesichts einer solch beispiellosen, unverständlichen und ungerechtfertigten Entscheidung“ zum Ausdruck brachte. „Die gestrige Entscheidung, die Umsetzung der automatischen Sperre für ein Spiel nach der Roten Karte für den Spieler Folarin Balogun für eine Probezeit von einem Jahr auszusetzen, hat eine rote Linie überschritten“, hieß es. Die UEFA betonte, dass eine automatische Mindestsperre von einem Spiel nach einer Roten Karte kein Ermessensspielraum sei und keinen Ausnahmen unterliege.

Blatter: „Fußball darf nicht Spielball politischer Machtinteressen werden“

Der frühere FIFA-Präsident Joseph Blatter kritisierte den Vorgang scharf. „Rote Karten werden nicht durch politische Telefonanrufe aufgehoben. Sie werden auf der Grundlage von Regeln, Beweisen und durch unabhängige Gremien revidiert“, schrieb Blatter auf X. „Wenn ein US-Präsident beim FIFA-Präsidenten interveniert – und ein Spieler plötzlich vor einem K.o.-Spiel der Weltmeisterschaft freigesprochen wird –, stellt sich unweigerlich die Frage: Quo vadis, FIFA?“ Der 90-Jährige fügte hinzu: „Der Fußball darf niemals zum Spielball politischer Machtinteressen werden.“

Auch unter FIFA-Funktionären sorgte die Entscheidung für Aufregung. Ein Vizepräsident des Weltverbands, der anonym bleiben wollte, sagte der „Bild“-Zeitung: „Das ist eine absolute Schande!“

Belgien legt Widerspruch ein

Der belgische Fußballverband hat nach Informationen von „The Athletic“ gegen die Entscheidung der FIFA Widerspruch eingelegt. Der Weltverband habe Belgien das Recht eingeräumt, gegen die Aufhebung der Sperre vorzugehen. Beide Verbände – Belgien und die USA – mussten ihre Stellungnahmen bis Montagmorgen (Ortszeit) einreichen. Ein Mitglied des FIFA-Berufungsausschusses, das keinem UEFA- oder CONCACAF-Verband angehört, soll über den Fall entscheiden. Ob noch vor dem Achtelfinale eine Entscheidung fällt, ist offen.

Belgiens Trainer Rudi Garcia zeigte sich empört: „Wir verteidigen nicht Belgien, wir verteidigen den Fußball. Das ist das erste Mal in der WM-Geschichte, dass so eine Entscheidung getroffen wird.“ Er fügte hinzu: „Ich wusste nicht, dass der 5. Juli bei der WM wie der 1. April ist. Es klingt wie ein schlechter Scherz.“ Von den US-Fußballern, die die Entscheidung begrüßten, war zu vernehmen, dass mancher die Nachricht zunächst für einen mit KI erstellten Fake hielt.

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Pochettino und Tuchel: Uneinigkeit über Rote Karte

US-Nationaltrainer Mauricio Pochettino war mit der Roten Karte gegen seinen Spieler nicht einverstanden gewesen. Nach der Aufhebung sprach er von einer „fairen Entscheidung“. Englands Nationaltrainer Thomas Tuchel gab ebenfalls zu Protokoll, dass es sich seiner Meinung nach nicht um eine Rote Karte gehandelt habe: „Ich denke, um ganz klar zu sein, dass es keine Rote Karte war.“ Die Aufhebung durch die FIFA bewertete er jedoch kritisch. Nach dem 3:2-Achtelfinalsieg seiner Mannschaft gegen Mexiko sagte Tuchel: „Wer kippt diese Entscheidung dann – und wann? Und auf welcher Grundlage? Wie weit geht das jetzt? Es ist einfach seltsam für mich. Wir wollen einfach Konsistenz in den Entscheidungen haben.“

Solbakken warnt vor Präzedenzfall

Norwegens Nationaltrainer Stale Solbakken äußerte sich ebenfalls zur Entscheidung der FIFA. Es sei „eine schlechte, schlechte, schlechte Entscheidung, die der WM schaden wird“, sagte er nach dem 2:1-Achtelfinalsieg seiner Mannschaft gegen Brasilien. Er verwies darauf, dass der „Fall Balogun“ einen gefährlichen Präzedenzfall schaffe. „Was ist mit der nächsten Roten Karte? Was passiert dann? Wird es künftig irgendwo ein Gremium geben, das solche Karten einfach wieder aufhebt?“, fragte Solbakken.

Thomas Tuchel teilte diese Sorge: „Legen wir jetzt Berufung ein, wenn eine Gelbe Karte keine Gelbe Karte ist? Wo fängt es an und wo hört es auf?“ Auf die Frage eines Journalisten, ob man vielleicht US-Präsident Donald Trump fragen sollte, antwortete Tuchel: „Vielleicht. Das ist ein guter Startpunkt.“