Der Kabarettist Dieter Nuhr ist am Mittwoch in Berlin mit dem Leo-Baeck-Preis des Zentralrats der Juden in Deutschland ausgezeichnet worden. In seiner Laudatio betonte der Psychologe und Autor Ahmad Mansour, dass Nuhrs Engagement gegen Antisemitismus eigentlich selbstverständlich sein sollte. Doch sei das Selbstverständliche heute außergewöhnlich geworden, was „verdammt bitter“ sei.
Mansour kritisierte, dass Antisemitismus nicht nur bei Rechtsextremen und Linksradikalen auftrete, sondern auch in der Kulturszene, wo er sich als „Israelkritik“ oder „propalästinensischer“ Protest tarne. Der Präsident des Zentralrats, Josef Schuster, lobte Nuhr dafür, dass er konsequent „Doppelstandards“ aufdecke, auch bei Kollegen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk.
In seiner Dankesrede zeigte sich Nuhr verstört darüber, dass Antisemitismus „nicht nur bei Rechtsextremen, sondern auch unter Linken und Kulturschaffenden gefühlt eher die Regel als die Ausnahme ist“. Der „Irrsinn“ sei nicht mehr rechts oder links, sondern gerecht verteilt. Menschen fügten sich gedankenlos in eine moralisch überlegene Menge ein, was den Raum für das Böse schaffe.
Nuhr betonte, dass Antisemitismus im Alltag an Schulen, Universitäten, auf Festivals und Symposien spürbar sei. Der Zentralrat der Juden habe mit Nuhr einen würdigen Träger des nach Rabbiner Leo Baeck benannten Preises ausgewählt. Es ist das erste Mal, dass der Preis an einen Kabarettisten geht.



