Der US-Republikaner und langjährige Senator Lindsey Graham ist tot. Er starb am Samstagabend in Washington, D.C., wie sein Büro mitteilte. Noch am Freitag hatte Graham die ukrainische Hauptstadt Kyjiw besucht, um seine Unterstützung für das Land im Abwehrkampf gegen Russland zu bekunden. Graham wurde 71 Jahre alt.
Vom Kritiker zum treuesten Verbündeten
Grahams politische Laufbahn war geprägt von einer bemerkenswerten Wandlung. In der Frühphase von Donald Trumps Präsidentschaftskampagne 2015/2016 gehörte er zu den schärfsten innerparteilichen Kritikern des späteren Präsidenten. Er warf Trump Populismus und mangelnde konservative Prinzipien vor. Doch nach Trumps Sieg näherte sich Graham dem mächtigen Parteifreund an und entwickelte sich zu einem seiner loyalsten Unterstützer im US-Senat.
Einflussreicher Außenpolitiker
Der Jurist und ehemalige Reserveoffizier der US-Luftwaffe galt als einer der profiliertesten Außenpolitiker seiner Partei. Er setzte sich unermüdlich für eine harte Linie gegenüber Russland, China und dem Iran ein. Seine Reise nach Kyjiw am Freitag unterstreicht sein Engagement für die Ukraine: „Die Freiheit der Ukraine ist nicht verhandelbar“, sagte er bei seinem letzten öffentlichen Auftritt. Graham war zudem ein vehementer Verfechter eines starken Militärs und einer interventionistischen Außenpolitik.
Kontroverse Figur
Im Inland polarisierte Graham: Er galt als Hardliner in der Einwanderungspolitik und als Verfechter des zweiten Verfassungszusatzes (Recht auf Waffenbesitz). Seine Nähe zu Trump brachte ihm Kritik ein, aber auch Einfluss. „Er war ein Kämpfer für das, woran er glaubte, auch wenn er sich dabei oft unbeliebt machte“, würdigte ihn der republikanische Fraktionsvorsitzende im Senat. Graham selbst sagte einmal: „In Washington gibt es keine Freunde, nur Interessen.“ Dennoch bezeichnete Trump ihn öffentlich als „besten Freund“.
Letzte Reise und Vermächtnis
Grahams Tod kommt überraschend, da er noch am Freitag aktiv auftrat. Die genaue Todesursache wurde zunächst nicht bekannt gegeben. Mit ihm verliert der US-Senat eine der prägendsten und umstrittensten Figuren der letzten Jahrzehnte. Sein politisches Erbe reicht von der Justiz (er war maßgeblich an der Bestätigung konservativer Richter beteiligt) bis zur Außenpolitik.



