Ukraine weitet Drohnenangriffe auf russische Öltanker aus
Ukraine greift russische Öltanker mit Drohnen an

Ukraine greift russische Öltanker an

Nach den Drohnenangriffen auf russische Ölanlagen hat die Ukraine ihre Angriffe auf Öltanker der russischen Schattenflotte ausgeweitet. Am Sonntag seien zehn Tanker und vier Fähren getroffen worden, teilte der Kommandeur der ukrainischen Drohnenstreitkräfte, Robert Brovdi, auf Telegram mit. Insgesamt hätten seine Soldaten in den vergangenen sieben Tagen 90 Schiffe angegriffen.

Strategie gegen Russlands Ölindustrie

Der Tankerkrieg ist Teil der ukrainischen Strategie, die wichtigste Einnahmequelle Russlands – die Ölindustrie – zu zerschlagen. Die jüngsten Angriffe führten dazu, dass Russland zeitweise den Schiffsverkehr durch den Kanal zwischen dem Asowschen Meer und dem Schwarzen Meer stoppte. Diese Schiffsstraße ist eine der wichtigsten Exportrouten für die russische Wirtschaft.

Russland kommentierte die ukrainischen Angaben nicht. Der Gouverneur der Region Rostow teilte am Sonntag mit, dass ein Tanker durch einen Drohnenangriff in Brand geraten sei, als er in den Kanal einfuhr. Das Feuer sei unter Kontrolle, eine Ölpest drohe nicht. Zuvor hatte er bereits mehrere Treffer auf Tanker bestätigt.

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Ukraine nutzt Russlands Größe aus

Seit Monaten greifen ukrainische Drohnenpiloten systematisch Raffinerien, Exportterminals und Öltanks in ganz Russland an. Dabei nutzt die Ukraine die Größe Russlands: Im Drohnenkrieg kann der Kreml nicht alle Landesteile gleichzeitig schützen. Inzwischen wurden nahezu alle großen Raffinerien getroffen – in der vergangenen Woche auch erstmals die 2500 Kilometer von der Ukraine entfernte Raffinerie im sibirischen Omsk, die sieben Prozent des gesamten russischen Öls verarbeitet. Eine Raffinerie des Energiekonzerns Gazprom in Moskau wurde Mitte Juni so stark beschädigt, dass die Reparatur mehrere Monate dauern wird.

Infolge der Angriffe wird die russische Ölförderung dieses Jahr voraussichtlich sinken. Die Internationale Energieagentur (IEA) schätzte in ihrem Marktbericht am Freitag, die Förderung werde um drei Prozent auf 8,9 Millionen Barrel pro Tag zurückgehen. Im Vorjahr hatte Russland 9,2 Millionen Barrel pro Tag gefördert.

Treibstoffknappheit in Russland

In weiten Teilen Russlands wird der Treibstoff knapp. Videos in sozialen Medien zeigen lange Schlangen vor Tankstellen und aufgebrachte Russen, die sich um Benzin prügeln. Präsident Wladimir Putin musste kürzlich öffentlich einräumen, dass es Probleme mit der Treibstoffversorgung gebe. Vergangene Woche verhängte der Kreml ein Exportverbot für Diesel, nachdem Wochen zuvor bereits die Ausfuhr von Benzin und Kerosin gestoppt worden war. Stattdessen importiert Russland nun Treibstoff aus Nachbarländern wie Kasachstan – ein schlechtes Bild für einen der größten Ölproduzenten der Welt. Der russische Exportstopp könnte die Tankstellenpreise im Rest der Welt steigen lassen, auch in Europa.

Besonders akut ist die Treibstoffknappheit auf der Halbinsel Krim, die seit 2014 von Russland besetzt ist. Die Behörden hatten dort kürzlich den Ausnahmezustand verhängt und zeitweise den Treibstoffverkauf an Privatleute untersagt. Erklärtes Ziel der Ukraine ist es, die Krim vom Nachschub abzuschneiden. Seit Wochen greifen ukrainische Drohnenpiloten daher Zufahrtsstraßen, Brücken und Fährverbindungen an. Mit den Angriffen auf die Öltanker im Asowschen Meer versuchen die Ukrainer, Treibstofflieferungen auf die Krim zu verhindern. Am Wochenende trafen sie zudem erneut mehrere Kraftwerke und Umspannwerke auf der Halbinsel, teilte Kommandeur Brovdi mit. In den vergangenen Wochen hatten die Angriffe bereits zu Stromausfällen auf der Krim geführt; auch der Tourismus war eingebrochen.

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Kreml verschärft Luftangriffe

Der Kreml verstärkt seine Luftangriffe auf die Ukraine, insbesondere auf Kiew. In der Nacht von Freitag auf Samstag schlugen erneut vier ballistische Raketen in Kiew ein. Binnen einer Woche gab es drei schwere Luftangriffe auf Wohnviertel in der Hauptstadt. Dutzende Menschen starben, mehr als hundert wurden verletzt. Bei einem russischen Angriff auf die Kleinstadt Wyschnewe im Speckgürtel Kiews am vergangenen Montag war auch ein Munitionslager des staatlichen Rüstungskonzerns Ukrobornoprom getroffen worden. Die Explosion des gelagerten Sprengstoffs kostete sieben Menschen das Leben. Laut Gesetz hätte die Munition in dem Wohngebiet nicht gelagert werden dürfen. Präsident Wolodymyr Selenskyj kündigte am Sonntag an, die verantwortlichen Manager zu bestrafen: „Die Verantwortlichen sind identifiziert. Die Position des Staates ist klar: Jeder Einzelne von ihnen muss zur Rechenschaft gezogen werden.“

Selenskyj fordert schnelle Patriot-Lieferungen

Selenskyj appellierte an die westlichen Partner, ihre Lieferungen von Abfangraketen zu beschleunigen. Der akute Mangel an Patriot-Raketen sei der Grund für die vielen Toten bei den jüngsten Angriffen. Die Patriots seien das einzige wirksame Mittel gegen ballistische Raketen Russlands. „Es sollte nicht Wochen dauern, von der Ankündigung bis zur Lieferung zu kommen“, sagte Selenskyj. Seit dem Beginn des Irankriegs im Februar gibt es weltweit Engpässe bei den Patriots, weil die USA und ihre Verbündeten am Golf Hunderte Raketen zur Abwehr iranischer Angriffe verschossen haben. Auf dem Nato-Gipfel in Ankara vergangene Woche hatte US-Präsident Donald Trump Kiew neue Lieferungen zugesagt und erstmals eine Lizenz zur Herstellung der Patriot-Raketen in der Ukraine angekündigt. Dies hatte die Ukraine seit 2023 gefordert. Die Ankündigung wurde von Selenskyj begrüßt, löst den akuten Mangel aber nicht, da der Aufbau der Fertigung etwa ein Jahr dauern dürfte.

Kabinettsumbildung in der Ukraine

Am Sonntag kündigte Selenskyj eine Kabinettsumbildung an. Zur Begründung sagte er, er wolle mit einem außenpolitischen Strategiewechsel die Beziehungen zu Schlüsselpartnern verbessern. Regierungschefin Julija Swyrydenko muss ihren Posten nach nur einem Jahr im Amt aufgeben. Ihr Nachfolger blieb zunächst unbekannt. „Wir haben festgestellt, dass für die Veränderung eine Erneuerung des Ministerkabinetts nötig ist“, schrieb Selenskyj bei Telegram. Er dankte Swyrydenko für ihren Einsatz und kündigte an, ihr die Leitung der Diplomatie mit den wichtigsten Partnern der Ukraine anzubieten.