Iran-Konflikt: Trump in strategischer Sackgasse an der Straße von Hormus
Trump in Iran-Sackgasse: Hormus bleibt Faustpfand Teherans

Die Straße von Hormus bleibt der zentrale Ort, an dem Donald Trumps Iran-Politik ihre Grenzen findet. Fünfeinhalb Monate nach Ausbruch des Krieges zwischen den USA und dem Iran ist kein Frieden in Sicht. Stattdessen zeichnet sich ein Muster ab, das auf regelmäßige Gewaltausbrüche und anhaltende Unsicherheit für die globalen Energiemärkte hindeutet. Der US-Präsident hat bombardiert, gedroht und in der Schweiz eine Absichtserklärung unterschreiben lassen. Doch die Meerenge ist nicht unentgeltlich frei passierbar. Teheran hat begriffen, dass es militärisch unterlegen sein kann und trotzdem den Takt vorgibt.

Hormus als Faustpfand: Irans Machtinstrument

Die jüngsten Tage haben diese Verschiebung der Machtverhältnisse brutal offengelegt. Nach iranischen Angriffen auf Handelsschiffe und amerikanischen Gegenschlägen beschoss die Revolutionsgarde erneut ein ziviles Schiff, die MV „GFS Galaxy“. Washington antwortete mit weiteren Luftangriffen auf iranische Stellungen. Teheran wiederum reagierte mit eher wirkungslosen Angriffen auf amerikanische Militäreinrichtungen in Bahrain, Kuwait und Jordanien, verzichtete aber weitgehend darauf, Großanrainer wie Saudi-Arabien zu behelligen. Stattdessen erklärte der Iran die Straße von Hormus für nicht autorisierte Schiffe für geschlossen. Vor dem Krieg passierte hier rund ein Fünftel des globalen Öl- und Flüssiggasgeschäfts. Jetzt entscheidet der Risikoappetit einzelner Reeder über Bewegung oder Stillstand – und der ist gleich null.

Plan A und Plan B gescheitert: Trump ohne Alternative

Damit ist Trumps Plan B praktisch verbrannt. Plan A waren Bomben. Sie sollten Teheran zwingen, das Atomprogramm preiszugeben und Hormus zu öffnen. Plan B war das „Memorandum of Understanding“ (MOU) aus der Schweiz, ein hastig gebauter Waffenstillstand mit 14 Absätzen und 60 Tagen Frist, die am 16. August ausläuft. Iran sollte demnach wieder Öl verkaufen dürfen, eingefrorene Gelder sollten aufgetaut werden, die Meerenge sollte offen bleiben. Trump nannte das „ein wirklich gutes Geschäft für den Iran“. Er glaubte, die Mullahs würden Milliarden höher gewichten als Erpressungsmacht. Darin liegt der Irrtum. Das Regime will Sanktionserleichterungen, sprich Geld, Kontrolle aber noch viel mehr. Hormus ist für Teheran kein Seeweg, sondern das Faustpfand schlechthin auf dem Weg zur regionalen Hegemonialmacht.

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Diplomatische Unschärfe als militärischer Zünder

Wer dort fahren will, soll anerkennen, dass der Iran die Regeln über Route, Anmeldung und Gebühren bestimmt. Das MOU ließ genau diese Frage offen. In Absatz 5 heißt es, Iran werde „nach besten Kräften Vorkehrungen treffen“, um sichere, 60 Tage gebührenfreie Durchfahrt zu gewährleisten. Washington las darin eine Verpflichtung zur freien Passage. Teheran las darin Gestaltungsmacht. Öltanker, die versuchten, Hormus über omanische Hoheitsgewässer zu durchqueren und dabei die Mautstelle auf der iranischen Seite der Wasserstraße zu umgehen, wurden beschossen, um sie auf Iran-Kurs zu zwingen. Aus diplomatischer Unschärfe wurde ein militärischer Zünder. Der Iran behauptet, Washington habe das Abkommen gebrochen, weil es eine nicht abgestimmte Route nutze. Die USA sagen, Teheran habe die Bedingung sicherer Durchfahrt verletzt. Beide Seiten berufen sich auf Textstellen. Keine Seite hat die volle Kontrolle.

Grauzone zwischen kaltem und heißem Krieg

Der Konflikt kehrt, darin sind sich die meisten Experten einig, wohl nicht mehr zum großen Krieg zurück. Trumps Zurückhaltung wächst, je näher die Kongresswahlen im November rücken. Er wird aber auch nicht in saubere Verhandlungen zurückfinden. Wahrscheinlicher ist eine Grauzone: begrenzte iranische Nadelstiche, amerikanische Strafschläge, omanische Vermittlung, neue Papiere, Warnungen, Versicherungsaufschläge. Der Experte Richard Fontaine hat das als Wechsel zwischen „kaltem Krieg und kleinem heißen Krieg“ beschrieben. Es ist kein Waffenstillstand, sondern ein Taktzustand. Karim Sadjadpour, Iran-Fachmann bei Carnegie, sagte dem „Wall Street Journal“: „Die Islamische Republik wird sich noch stärker zu einem Gangsterregime entwickeln. Ihre Lehre aus dem Krieg lautet, dass Zugeständnisse durch Zwang errungen werden – indem sie ihre Nachbarn angreift, die Straße von Hormus bedroht und den Ölpreis in die Höhe treibt.“

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Strategische Sackgasse: Eskalation ohne Ausweg

Was kann Trump tun? Er kann weiter eskalieren: iranische Küstenstellungen, Radaranlagen, Drohnenbasen, Raketenbatterien und Häfen weiter angreifen, die aufgehobene Blockade iranischer Häfen neu verhängen, Irans zentrale Öl-Export-Insel Kharg bedrohen. Er kann, wie in Ankara angedeutet, sogar zivile Infrastruktur wie Entsalzungsanlagen ins Visier nehmen, militärisch wie völkerrechtlich gefährlich. Nur löst nichts davon das Grundproblem: Je stärker Washington zuschlägt, desto größer wird für Teheran der Anreiz, die Kosten in Hormus zu erhöhen. Außenpolitik-Routinier Richard N. Haass nennt die Lage eine „strategische Sackgasse“. Sein Befund: „Je mehr wir angreifen, desto mehr greifen die Iraner die Öl- und Energieinfrastruktur am Golf an. Und die Regierung hat immer noch nicht herausgefunden, wie sie diese Anlagen verteidigen kann.“

Innere Zerrissenheit im Iran erschwert Verhandlungen

Trump kann auch weiterverhandeln. Die US-Mindestforderung lautet: Der Iran muss öffentlich erklären, dass die Straße offen und gebührenfrei bleibt, und Angriffe einstellen. Der Iran will vorher die wirtschaftliche Seite des Deals aus der Schweiz bestätigt sehen: Ölverkäufe, Gelder, Sanktionserleichterungen. Es geht nicht um Technik, sondern um Macht. Wer darf Regeln setzen? Wer gibt zuerst nach? Wer kann das an der Heimatfront überleben? In Teheran ist das schwieriger, als Trump behauptet. Das Regime ist nicht geschlossen. Mehrere Fraktionen befehden sich. Außenminister Abbas Araghtschi gilt Hardlinern als Mann der Beschwichtigung. Präsident Massud Peseschkian hat kaum Luft zwischen Revolutionsgarden, Klerus und einer kriegsmüden Gesellschaft.

Ausblick: Schmutziges Pendel und fehlender Plan C

Für die nächsten Wochen spricht vieles für ein schmutziges Pendel. Der Iran wird seine Aktionen in Hormus dosieren: öffnen, warnen, blockieren, wieder verhandeln. Der Präsident hat zwei Wege ausprobiert: Gewalt und Deal-Show. Beide haben den Iran nicht entwaffnet, nicht gebändigt, nicht aus Hormus gedrängt. Plan C wäre nach Ansicht in Washingtoner Denkfabriken „eine geduldige, multilaterale Architektur aus Seeschutz, Sanktionslogik, Nuklearinspektionen und regionaler Diplomatie“. Aber dafür hat Trump bisher weder Sprache noch Geduld gezeigt. Marc Polymeropoulos, ein ehemaliger hochrangiger Mitarbeiter der CIA, der sich mit dem Nahen Osten befasste, warnt: „Grundsätzlich glauben die Iraner nicht, dass Trump wieder in den Krieg ziehen will, also werden sie einfach weiter Druck ausüben. Sie sind fest davon überzeugt, dass er ihnen keineswegs einen schweren Schlag versetzen wird. Aber es gibt so vieles, das schiefgehen kann. Sollte einer dieser Zwischenfälle zu einem Ereignis mit zahlreichen Opfern führen, bei dem US-Soldaten getötet werden, wird Trump durchdrehen. Das ist also nicht risikofrei.“