Die verzweifelte Mutter eines in Algerien inhaftierten französischen Sportjournalisten appelliert in einem emotionalen Brief an Bundeskanzler Friedrich Merz (70, CDU) und Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier (70). Sylvie Godard und ihr Ehemann Francis Godard bitten die deutschen Spitzenpolitiker, das Schicksal ihres Sohnes Christophe Gleizes (37) bei den Gesprächen mit Algeriens Präsidenten Abdelmadjid Tebboune (80) am Donnerstag in Berlin zur Sprache zu bringen. Der Brief liegt BILD exklusiv vor.
Christophe Gleizes sitzt seit Mai 2024 in algerischer Haft
Der Sportjournalist war in der Kabylei, einer Gebirgsregion im Norden Algeriens, unterwegs, um über Fußball zu recherchieren. Dabei geriet er ins Visier der Behörden, weil einige seiner Kontakte Verbindungen zur Unabhängigkeitsbewegung MAK gehabt haben sollen. Die Polizei nahm ihn im Mai 2024 fest. Ein Gericht verurteilte ihn unter anderem wegen angeblicher „Verherrlichung von Terrorismus“ zu sieben Jahren Gefängnis. Seine Eltern und sein Anwalt weisen die Vorwürfe entschieden zurück: Christophe habe sich ausschließlich für den Sport interessiert. Sie vermuten eine politische Motivation hinter der Verurteilung, die auf die damaligen Spannungen zwischen Frankreich und Algerien zurückzuführen sei. Eine Berufung der Familie wurde abgewiesen.
Eltern verzichten auf weitere juristische Schritte
Um die Chancen auf eine Begnadigung durch Präsident Tebboune zu erhöhen, haben Sylvie und Francis Godard seit März auf weitere rechtliche Schritte verzichtet. Doch die erhoffte Reaktion blieb aus. „Seitdem sehen wir uns mit einem vollständigen Schweigen der algerischen Behörden hinsichtlich des Schicksals von Christophe konfrontiert“, schreiben sie in dem Brief. Dieses Schweigen sei unerträglich für die Familie.
In dem Schreiben heißt es: „Wir bitten Sie mit der ganzen Kraft einer Familie, die verzweifelt darauf wartet, ihren Sohn und Enkel wieder in die Arme schließen zu können, das Schicksal von Christophe Gleizes bei Ihren Gesprächen mit Präsident Abdelmadjid Tebboune anzusprechen.“ Die Eltern hoffen, dass der Schritt „entscheidend dazu beitragen kann, eine humanitäre und von Gnade geprägte Lösung zu ermöglichen, auf die wir seit mehr als zwei Jahren warten, damit Christophe zu seiner Familie und zu seiner journalistischen Tätigkeit zurückkehren kann“.
Internationaler Druck wächst
Der Fall Christophe Gleizes hat auch international Aufmerksamkeit erregt. So erhielt der Journalist bei der Fußball-Weltmeisterschaft symbolisch eine Akkreditierung, was als Zeichen der Solidarität gewertet wird. Die Familie hofft nun auf ein Eingreifen der deutschen Politik, um die Freilassung zu erreichen.



