Nato-Generalsekretär warnt junge Russen vor Kriegsdienst – IAEA verurteilt Tötung von AKW-Ingenieur
Nato-Generalsekretär warnt junge Russen vor Kriegsdienst

Nato-Generalsekretär Rutte: Ukrainer stehen besser da als Anfang des Jahres

Nato-Generalsekretär Mark Rutte erwartet keine grundlegende Kursänderung durch die Neubesetzung des ukrainischen Verteidigungsministerpostens. Er gehe davon aus, dass der nächste Verteidigungsminister den Kurs seines Vorgängers Mychajlo Fedorow fortsetzen werde, sagte Rutte der Deutschen Presse-Agentur in Brüssel. Die Ukraine stehe im Abwehrkampf gegen die russischen Invasionstruppen heute deutlich besser da als noch Anfang des Jahres.

„Schauen Sie sich die Front an: Die Russen erzielen zwar weiterhin kleinere Geländegewinne, aber deutlich geringere als noch vor vier oder fünf Monaten“, erklärte Rutte. Gleichzeitig gelinge es den Ukrainern, den Russen wieder Gelände abzunehmen. Die ukrainischen Streitkräfte fügten den russischen Truppen monatlich erhebliche Verluste zu, die zwischen 25.000 und 35.000 Toten oder Verwundeten lägen. „Wenn Sie ein junger russischer Mann sind und darüber nachdenken, sich dem Krieg anzuschließen, könnten Sie schon in diesem oder im nächsten Monat zu diesen rund 30.000 gehören“, warnte er.

Die Ukraine sei zudem erfolgreich dabei, Ziele tief im russischen Hinterland anzugreifen, etwa Energieinfrastruktur und die Rüstungsindustrie. „Insofern steht die Ukraine heute deutlich besser da“, sagte Rutte. Mit Fedorow habe er eine gute Arbeitsbeziehung gehabt, und er sei überzeugt, dass dessen Nachfolger diesen Weg fortsetzen werde.

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IAEA verurteilt Tötung von Chefingenieur des AKW Saporischschja

Die Internationale Atomenergiebehörde (IAEA) hat die Tötung des Chefingenieurs des Atomkraftwerks Saporischschja scharf verurteilt. IAEA-Chef Rafael Grossi sprach am Donnerstag auf X von einem „inakzeptablen Angriff auf das Kraftwerk und dessen Leitung, der die nukleare Sicherheit ernsthaft gefährdet“. Die Behörde fordere die sofortige Einstellung aller Angriffe auf kerntechnische Anlagen und deren Personal.

Russland hatte die Tötung des Ingenieurs Alexander Jakowlew der Ukraine zugeschrieben. Der russische Atomkonzern Rosatom, der das Kraftwerk beaufsichtigt, erklärte, eine ukrainische Drohne habe Jakowlew und seinen Fahrer „gezielt“ getötet. Es habe sich um einen „gezielten Terroranschlag des Kiewer Regimes“ gehandelt. Das AKW Saporischschja ist das größte Europas, befindet sich seit März 2022 in russischer Hand und liegt nahe der Front. Die sechs Reaktoren sind abgeschaltet, benötigen jedoch weiterhin Elektrizität für Kühl- und Sicherheitssysteme.

Russland sieht keine Aussichten auf Friedensgespräche

Die russische Führung sieht derzeit keine unmittelbaren Aussichten auf eine Wiederaufnahme der Friedensgespräche mit der Ukraine. Kreml-Sprecher Dmitri Peskow sagte, man bleibe offen für Verhandlungen und sei dankbar für die Vermittlungsbereitschaft der Türkei. Derzeit gebe es aber keine Anzeichen für neue Gespräche. Auch die Regierungsumbildung in Kyjiw unter Präsident Wolodymyr Selenskyj ändere daran nichts, solange die Ukraine nicht zu einer Friedensregelung bereit sei.

Ukrainisches Parlament bestätigt neuen Ministerpräsidenten

Das ukrainische Parlament hat Serhij Korezkyj als neuen Ministerpräsidenten bestätigt. Für die Ernennung stimmten 289 Abgeordnete, 226 waren notwendig. Korezkyj leitete bislang den staatlichen Energiekonzern Naftogaz. Es ist der dritte Regierungschef seit Beginn der russischen Invasion 2022. Als Prioritäten nannte er vor den Abgeordneten die Verteidigung der Ukraine, wirtschaftliche Stabilität und den angestrebten EU-Beitritt. Eine wichtige Aufgabe sei auch die Vorbereitung auf den nächsten Kriegswinter.

Weitere Entwicklungen: Angriffe auf Kyjiw und Saporischschja, Proteste gegen Fedorow-Rücktritt

In der Nacht griff das russische Militär Kyjiw mit ballistischen Raketen an. Nach ukrainischen Angaben wurden mindestens zwei Menschen getötet und fünf verletzt, darunter ein Kind. Bürgermeister Vitali Klitschko sprach von sechs Verletzten. In zwei Stadtteilen brachen Brände aus. Die ukrainische Luftwaffe meldete mindestens acht abgefeuerte Raketen.

Im Gebiet Saporischschja wurden mindestens fünf Zivilisten durch russische Angriffe getötet. In der Hauptstadt Saporischschja kamen drei Menschen ums Leben, 15 wurden verletzt. Zuvor waren in der frontnahen Stadt Orichiw zwei Männer durch Drohnenangriffe getötet worden.

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Der ukrainische Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow erklärte seinen Rücktritt, was in mehreren Städten Proteste auslöste. Präsident Selenskyj hatte eine Regierungsumbildung angekündigt. Fedorow zählte auf Telegram seine Erfolge auf, nannte aber auch Misserfolge. Medienberichten zufolge soll es Meinungsverschiedenheiten mit dem Oberbefehlshaber Oleksandr Syrskyj gegeben haben.