Die Trauerfeier für den verstorbenen republikanischen Senator Lindsey Graham wird am Dienstag in Washington zu einem doppelten außenpolitischen Krisengipfel. Mit Israels Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu und dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj werden zwei Staats- und Regierungschefs erwartet, deren Länder in den wichtigsten internationalen Konflikten der Trump-Regierung im Mittelpunkt stehen. Donald Trump selbst wird ebenfalls an der Zeremonie in der National Cathedral teilnehmen.
Eine Trauerfeier wird zum Krisengipfel
Graham war über Jahrzehnte einer der profiliertesten außenpolitischen Köpfe der Republikaner. Er setzte sich lautstark für Israel ein, drängte auf eine harte Linie gegenüber dem Iran und unterstützte die Ukraine. Kaum ein Senator verkörperte den außenpolitischen Flügel der Partei so sehr wie der Senator aus South Carolina. Sein Tod hinterlässt eine Lücke, doch seine Trauerfeier wird nun zur Bühne aktueller Weltpolitik.
Die eigentliche Trauerfeier findet in der National Cathedral statt – eine Ehre, die sonst fast nur verstorbenen Präsidenten und Ministern zuteil wird. Zuvor ist eine Ehrenzeremonie in der Rotunde des Kapitols geplant. Aus Sicherheitsgründen wurden offizielle Uhrzeiten nicht veröffentlicht. Neben Trump haben auch Netanjahu und Selenskyj ihr Kommen angekündigt.
Netanjahu und Selenskyj: Zwei Staatschefs in Washington
Insbesondere der Besuch des israelischen Ministerpräsidenten dürfte weit über den Anlass hinausreichen. Sein Büro bestätigte ein Treffen mit Trump im Weißen Haus am selben Tag. Im Mittelpunkt stehen die nächsten Schritte im Konflikt mit dem Iran. Graham hatte sich bis zuletzt für maximalen wirtschaftlichen und militärischen Druck auf Teheran eingesetzt und neue Sanktionen mit vorbereitet. Netanjahu würdigte ihn nach dessen Tod als „einen außergewöhnlichen Freund Israels“.
Auch Selenskyj will den Aufenthalt in Washington für direkte Gespräche mit Trump nutzen. Graham hatte die Ukraine seit der russischen Invasion immer wieder besucht und sich unermüdlich für Waffenlieferungen und schärfere Sanktionen gegen Moskau eingesetzt. Noch kurz vor seinem Tod arbeitete er an einem parteiübergreifenden Sanktionspaket gegen Russland. Dass Selenskyj nun ausgerechnet zu Grahams Trauerfeier nach Washington reist, unterstreicht die Bedeutung, die der Senator in Kiew genoss.
Trumps bilaterale Gespräche im Weißen Haus
Für Trump eröffnet das ungewöhnliche Zusammentreffen die Möglichkeit, innerhalb weniger Stunden mit den beiden wichtigsten Partnern der USA in den Krisen des Nahen Ostens und Osteuropas zu sprechen. Im Gespräch mit Netanjahu dürfte es um den weiteren Kurs gegenüber dem Iran gehen – möglicherweise auch um neue Militärschläge – sowie um die Sicherheitslage in der Region. Beim Treffen mit Selenskyj stehen zusätzliche amerikanische Unterstützung, Waffenlieferungen und der weitere Umgang mit Russland im Mittelpunkt.
Sicherheitsmaßnahmen auf Rekordniveau
Da gleichzeitig der US-Präsident, der israelische Ministerpräsident und der ukrainische Präsident anwesend sein werden, dürfte Washington einen der größten Secret-Service-Einsätze dieses Sommers erleben. Hinzu kommen Schutzmaßnahmen des israelischen Schin Bet sowie ukrainischer Sicherheitskräfte. Die Stadt bereitet sich auf einen logistischen und sicherheitstechnischen Kraftakt vor.



