Neue Hamburger Antisemitismusbeauftragte will Hass messbar senken
Neue Antisemitismusbeauftragte will Hass messbar senken

Hamburgs neue Antisemitismusbeauftragte Anna von Villiez will dafür sorgen, dass der Antisemitismus in der Hansestadt „langfristig und messbar“ zurückgeht. Bei ihrer Vorstellung in der Landespressekonferenz im Rathaus betonte sie, dass es in Hamburg zwar keine „Berliner Verhältnisse“ gebe. Doch spätestens seit dem Terrorangriff der islamistischen Hamas auf Israel am 7. Oktober 2023 habe sich der Antisemitismus auf einem sehr hohen Niveau verstetigt. „Ein großer Teil davon ist der israelbezogene Antisemitismus“, sagte die Historikerin.

Lange Vakanz und Verzögerung durch Klage

Villiez, Leiterin der Gedenk- und Bildungsstätte Israelitische Töchterschule, war Ende Juni nach langer Vakanz vom Senat berufen worden. Ihr Vorgänger Stefan Hensel hatte das Amt vor gut einem halben Jahr niedergelegt und dies unter anderem mit mangelndem Engagement des Senats im Kampf gegen Antisemitismus begründet. Die Nachbesetzung verzögerte sich, weil ein Mitbewerber gegen seine Nichtberücksichtigung gerichtlich vorging, wie Gleichstellungs- und Wissenschaftssenatorin Maryam Blumenthal (Grüne) erklärte. Man habe die Entscheidung des Gerichts abwarten müssen. Zwischenzeitlich habe deshalb eine wichtige Stimme in der Stadt gefehlt.

Auftrag an die Mehrheitsgesellschaft

Villiez, die evangelisch aufgewachsen ist und sich selbst als der Sache „einigermaßen zugetan“ bezeichnet, sieht in ihrer nichtjüdischen Religionszugehörigkeit kein Problem für das Amt. „Grundsätzlich denke ich – und das höre ich auch aus der jüdischen Gemeinschaft –, dass die Bekämpfung von Antisemitismus erst mal ein Auftrag an die nichtjüdische Mehrheitsgesellschaft ist“, sagte die 1974 in Hamburg geborene Historikerin. Es gehe darum, „den Antisemitismus in den Menschen zu bekämpfen und nicht die Menschen, die antisemitisch sind. Denn nur wenn wir das erreichen, dann haben wir eine Chance darauf, dass es einmal weniger wird.“

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Schwerpunkt Bildungswesen

Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit solle das Bildungswesen sein. Jüdische Schüler und Studierende müssten in Schulen und an Universitäten geschützt werden. Antisemitismus müsse „in den Köpfen und in den Herzen der nichtjüdischen Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer“ bekämpft werden. Dazu sollen Bildungsangebote im Rahmen der Extremismusprävention gestärkt, Antisemitismussensibilität in der Lehrkräfteausbildung verankert und eine Bildungsstelle gegen Antisemitismus geschaffen werden.

Digitalen Antisemitismus bekämpfen

Ein weiterer Schwerpunkt ist der digitale Antisemitismus. In der digitalen Welt würden rechter, linker und antiisraelischer Antisemitismus verschmelzen. Gerade für junge Menschen in hybriden Alltagswelten sei das Teil der Lebenswirklichkeit. „Und da können sich die Schulen und auch das Elternhaus ganz viel Mühe geben, das ist eine Wirkmacht, die auf junge Köpfe und auch Herzen wirkt“, so Villiez. Zudem wolle sie Formate entwickeln, um für mehr Sichtbarkeit des jüdischen Lebens in der Stadt zu sorgen – „also um im Prinzip positive Blicke möglich zu machen auf die so spannende jüdische Gegenwart.“ Senatorin Blumenthal erhofft sich von der neuen Beauftragten, „der Politik ein Stück weit auf die Füße zu treten“.

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