Neuer Realismus auf der Ukraine-Wiederaufbaukonferenz in Danzig
Zum fünften Mal bereitet sich die Ukraine auf einen Kriegswinter vor. Behörden und Unternehmen arbeiten mit Hochdruck daran, die Energieinfrastruktur gegen russische Angriffe zu sichern und Reservekapazitäten aufzubauen. Kraftwerke werden mit schützenden Betonhüllen ummantelt, Krankenhäuser mit Solaranlagen ausgestattet.
Die Europäer helfen nach Kräften: Sie liefern Material, Expertise und verlegen sogar ganze Kraftwerke in die Ukraine. Auch Deutschland steuert ein ungenutztes Kraftwerk aus Mecklenburg-Vorpommern bei – zum Unmut der Russlandfreunde von der AfD, die das Thema im Landtagswahlkampf auszuschlachten versuchen.
Abschied von der Marshallplan-Illusion
Auf der jährlichen Ukraine-Wiederaufbaukonferenz, die diese Woche im polnischen Danzig stattfand, gab sich niemand Illusionen über ein baldiges Kriegsende hin. Das war ein Unterschied zu früheren Konferenzen. Dieses Mal ging es weniger um einen neuen Marshallplan für einen Wiederaufbau in der Zukunft, sondern um den akuten Hilfsbedarf im Hier und Jetzt. Das heißt vor allem Flugabwehrraketen und Energiehilfen.
Ein von Russen gemachtes Desaster
Ein kanadischer Konferenzteilnehmer erinnerte daran, dass Europa nicht mit den Folgen einer Naturkatastrophe kämpfe. Es sei ein menschengemachtes Desaster, genauer: ein von Russen gemachtes Desaster. Das Lamentieren über den bösen Mann im Kreml – oder den unzuverlässigen Verbündeten im Weißen Haus – hilft jedoch nicht weiter. Vielmehr zeigte sich in Danzig ein neuer Realitätssinn.



