Nord Stream: Angeklagter will ukrainischer Militär gewesen sein
Nord Stream: Angeklagter will ukrainischer Militär sein

Der mutmaßliche Nord-Stream-Saboteur Serhij Kusnjezow hat in abgehörten Telefonaten aus der italienischen Untersuchungshaft behauptet, zum Tatzeitpunkt den ukrainischen Streitkräften angehört und für den ukrainischen Geheimdienst SBU gearbeitet zu haben. Dies geht aus der Anklageschrift der Bundesanwaltschaft hervor, die dem Stern vollständig vorliegt.

Anklage noch nicht zugelassen

Die Anklage wurde vor wenigen Wochen erhoben, ist aber noch nicht zugelassen. Nach Stern-Informationen haben die Ermittler nur Indizien gegen Kusnjezow in der Hand. Es handelt sich um die erste Anklage einer deutschen Strafverfolgungsbehörde im Zusammenhang mit dem Anschlag auf die Gaspipelines Nord Stream 1 und 2 in der Ostsee am 26. September 2022.

In den abgehörten Gesprächen beklagte sich Kusnjezow, dass er sich von seinem Land und seinem Präsidenten „alleingelassen“ fühle. Zudem äußerte er den Wunsch, mit „Roman“, seinem „Kommandeur“, sprechen zu können. Dabei handelt es sich mutmaßlich um den ukrainischen Geheimdienstmann Roman Tscherwinskyj.

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Hinweise auf staatliche Verstrickung

Die Anklageschrift enthält mehrere Hinweise auf eine Verstrickung von staatlichen Stellen der Ukraine in die Sprengung der Nord-Stream-Pipelines. Seit der Anklageerhebung war bislang nur bekannt geworden, dass die Bundesanwaltschaft einen hinreichenden Tatverdacht sieht, dass die Sabotage im Auftrag von staatlichen Stellen der Ukraine erfolgt sei. Die Details der Anklageschrift untermauern diesen Verdacht.

Nach der Verhaftung von Kusnjezow hatte Tscherwinskyj in einer schriftlichen Stellungnahme behauptet, zum Zeitpunkt der Sabotage habe Kusnjezow unter seinem Kommando gestanden. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat eine Beteiligung der Ukraine an der Pipeline-Sabotage stets zurückgewiesen.

Hintergrund des Anschlags

Nord Stream 2 sollte Gas aus Russland liefern, wurde aber am 26. September 2022 durch eine Explosion schwer beschädigt. Die Pipeline war bereits vor dem Anschlag politisch umstritten und wurde nie in Betrieb genommen. Die Sabotage führte zu massiven wirtschaftlichen und politischen Verwerfungen in Europa.

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