Norwegens Monarchie nach Høiby-Prozess: Im Königreich des reichen Pöbels
Der Sohn der Kronprinzessin ist ein Vergewaltiger, verurteilt zu einer mehrjährigen Haftstrafe. Das Urteil markiert einen Bruch. Norwegen hat einen Blick auf seine entrückte, reiche Elite erhascht – und hält doch zur Monarchie. Aus Oslo berichtet Jan Petter.
Die norwegische Königsfamilie, einst ein Symbol der Einheit, steht nach dem Schuldspruch gegen Marius Borg Høiby vor einer Zerreißprobe. Der 28-jährige Stiefsohn von Kronprinz Haakon wurde am Dienstag zu drei Jahren und acht Monaten Haft verurteilt. Die Staatsanwaltschaft hatte vier Jahre und sechs Monate gefordert. Das Gericht sah es als erwiesen an, dass Høiby im Jahr 2022 eine Frau in einer Wohnung in Oslo vergewaltigt hatte. Die Verteidigung kündigte an, in Berufung zu gehen.
Der Prozess war von Anfang an eine Zäsur für das skandinavische Königreich. Selten zuvor stand ein Mitglied der königlichen Familie derart im Mittelpunkt eines Kriminalfalls. Die Berichterstattung war intensiv, die öffentliche Anteilnahme enorm. Viele Norweger fühlten sich an den Fall des schwedischen Prinzen Carl Philip erinnert, dessen Frau Sofia einst in einer Reality-Show auftrat und später wegen Steuerhinterziehung verurteilt wurde. Doch der Høiby-Fall ist in seiner Schwere beispiellos.
Das Urteil offenbart nicht nur die Abgründe innerhalb der Monarchie, sondern auch die tiefe Kluft zwischen der Elite und dem Volk. Norwegen gilt als eines der egalitärsten Länder der Welt, doch die Affäre um Høiby zeigt, wie abgehoben die oberen Zehntausend leben. Während die Bevölkerung unter der Inflation und steigenden Energiekosten leidet, feierten Høiby und seine Freunde exzessive Partys in Luxusvillen. Die Verurteilung wird nun als Weckruf gesehen.
Dennoch bleibt die Monarchie in der Bevölkerung fest verankert. Eine Umfrage des Instituts Norstat ergab, dass 78 Prozent der Norweger weiterhin für die Beibehaltung der Monarchie sind. König Harald V. und Königin Sonja genießen hohes Ansehen, auch Kronprinz Haakon und Kronprinzessin Mette-Marit werden respektiert. Die Familie hat sich in den letzten Tagen betont zurückhaltend gezeigt. In einer kurzen Stellungnahme hieß es, man respektiere das Urteil und bitte um Privatsphäre.
Der Fall Høiby könnte jedoch langfristige Folgen haben. Kritiker fordern eine Modernisierung der Monarchie, mehr Transparenz und eine stärkere Distanzierung von fragwürdigen Mitgliedern. Die Debatte über die Zukunft der Monarchie ist neu entfacht. Doch eines ist klar: Der Blick auf die entrückte Elite hat Norwegen verändert. Der reiche Pöbel, wie die Zeitung „Dagbladet“ titelte, ist nicht länger unsichtbar.



