Am Vormittag des 9. März 2026 gingen in Wien fast zeitgleich zwei Pressemitteilungen ein. Die eine stammte von Österreichs größtem Medienhaus, dem öffentlich-rechtlichen Sender ORF. Die andere von dessen Intendanten, Roland Weißmann. Beide Mitteilungen verkündeten Weißmanns Rücktritt. Grund: Eine ORF-Mitarbeiterin hatte Vorwürfe der sexuellen Belästigung gegen ihn erhoben, wie der Sender mitteilte. Weißmann hingegen ließ erklären, er sei zurückgetreten, um „Schaden vom Unternehmen abzuwenden“. Die Vorwürfe von angeblich „unangemessenem Verhalten“ seien haltlos. Seither toben in Österreich zwei Versionen über den größten Skandal, den der ORF in jüngerer Vergangenheit erlebt hat.
Die Vorwürfe im Detail
Eine ORF-Mitarbeiterin, die anonym bleiben möchte, wirft Weißmann vor, sie über Jahre hinweg belästigt zu haben. Auszüge aus Chatnachrichten belegen, wie Weißmann zwischen 2019 und 2023 immer wieder versuchte, die Mitarbeiterin zum Sex mit ihm zu überreden. Er forderte intime Fotos von ihr und schickte ihr unaufgefordert selbst entsprechende Bilder. Die Wochenzeitung FALTER hat einige der Nachrichten inzwischen veröffentlicht, der SPIEGEL konnte sie ebenfalls einsehen.
Weißmanns Verteidigung
Roland Weißmann behauptet dagegen, er habe eine einvernehmliche Beziehung mit der Mitarbeiterin geführt. Die vorgelegten Nachrichten zeigten nur einen Ausschnitt und würden einen falschen Eindruck vermitteln. Er sieht sich als Opfer einer Intrige, mit der man seinen Sturz herbeigeführt habe. Sein Anwalt bekräftigt diese Sichtweise und spricht von einer gezielten Kampagne.
Podcast rekonstruiert die Affäre
In einer Doppelfolge von „Inside Austria“ rekonstruieren die Journalistinnen Lucia Heisterkamp und Antonia Rauth die Affäre rund um den gefallenen ORF-Chef. Sie sprechen mit ORF-Insidern und Arbeitsrechtlern, mit Weißmanns Anwalt und der betroffenen Frau. Ziel ist es, herauszufinden, was wirklich zwischen Weißmann und der Frau vorgefallen ist, warum der ehemalige Intendant eine Verschwörung gegen sich vermutet, und ob der ORF ein Sexismusproblem hat.
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Hintergrund zum Podcast
Im wöchentlichen Podcast „Inside Austria“ blicken der SPIEGEL und der STANDARD gemeinsam auf die großen und kleinen Skandale in Österreich. Zusammen mit Journalistinnen und Journalisten beider Redaktionen rekonstruieren sie politische Abgründe und Ereignisse, die das Land bewegen. Haben Sie Themenvorschläge oder Feedback? Schicken Sie eine E-Mail an: insideaustria@spiegel.de.



