Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) hat das milliardenschwere Fregatten-Projekt F126 endgültig gestoppt. Das gab das Verteidigungsministerium am Mittwoch bekannt. Das Projekt, das als größtes Marinevorhaben der Bundeswehr galt, war seit Jahren von Verzögerungen und Kostensteigerungen geplagt. Statt der ursprünglich geplanten sechs Fregatten des Typs F126 werden nun acht Fregatten des Typs Meko A-200 DEU für insgesamt 11,6 Milliarden Euro beschafft.
Milliardenkosten und jahrelange Verzögerungen
Das F126-Projekt war 2020 unter der damaligen Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen (CDU) gestartet worden. Ursprünglich waren Kosten von zehn Milliarden Euro veranschlagt, doch inzwischen wurden die erwarteten Gesamtkosten auf mindestens 18 Milliarden Euro geschätzt. Bereits mehr als zwei Milliarden Euro sind in das Projekt geflossen, unter anderem für Zahlungen an Unterauftragnehmer, darunter deutsche Werften. Der Haushaltsausschuss des Bundestags hatte mehrfach neue Tranchen bewilligt, um die laufenden Kosten zu decken.
Probleme mit dem Generalunternehmer
Das niederländische Unternehmen Damen Schelde Naval Shipbuilding (DSNS), das als Generalunternehmer beauftragt war, konnte die Zeit- und Finanzvorgaben nicht einhalten. Die erste Fregatte hätte Mitte 2028 mit einer Anfangsbefähigung ausgeliefert werden sollen, doch dieser Termin war nicht mehr zu halten. Pistorius hatte seit 2025 einen Wechsel des Generalunternehmers zum deutschen Schiffsbauer Naval Vessels Lürssen prüfen lassen, der inzwischen von Rheinmetall übernommen wurde. Rheinmetall hatte sich zuversichtlich gezeigt, bald einen Vertrag zu erhalten. Doch Pistorius entschied sich dagegen – wegen Mehrkosten und möglicher Schadenersatzansprüche des bisherigen Auftragnehmers.
Alternative: Meko A-200 Fregatten
Statt der F126 setzt die Bundeswehr nun auf acht Fregatten des Typs Meko A-200 DEU, die vorrangig für die seegestützte U-Boot-Jagd bestimmt sind. Das Verteidigungsministerium betonte: „Die seegestützte U-Boot-Jagd ist innerhalb der Nato von höchster Relevanz und daher auch nationaler Schwerpunkt.“ Die zeitgerechte Erfüllung der Nato-Verpflichtungen sei entscheidend. Der Kieler Marineschiffbauer TKMS versicherte, die erste Meko A-200 werde wie geplant 2029 ausgeliefert. Der Haushaltsausschuss des Bundestags muss noch endgültig zustimmen.
Reaktionen: „Milliarden verbrannt“
Der Sicherheitsexperte Carlo Masala von der Universität der Bundeswehr München nannte die Entscheidung zum Stopp richtig, beklagte aber: „Es wurden bereits ein paar Milliarden verbrannt.“ Die F126 sollten die größten Kampfschiffe der Marine werden und Ziele in der Luft, über und unter Wasser bekämpfen können. Sie waren auch als Führungseinheit für Einsätze an Land vorgesehen. Das Aus des Projekts bedeutet einen herben Rückschlag für die Marine, die nun auf die Meko-Fregatten setzt.



