Judit Polgár lehnt Angebot für ungarische Präsidentschaft ab
Polgár lehnt Angebot für ungarische Präsidentschaft ab

Die ungarische Schach-Ikone Judit Polgár hat auf die Nominierung für das Amt der Staatspräsidentin verzichtet. Sie schätze die Geste von Ministerpräsident Péter Magyar, sie als unabhängige und parteilose Kandidatin in Betracht zu ziehen, schrieb sie auf Facebook. „Zugleich spüre ich nicht genügend Kraft in mir, die historische Verantwortung zu übernehmen, eine gespaltene Nation zu einen.“

Magyar hatte Polgár ohne Absprache vorgeschlagen

Magyar hatte die 49-jährige Polgár am Sonntag als Staatsoberhaupt vorgeschlagen. Das Amt wird derzeit interimsmäßig von Parlamentspräsidentin Agnes Forsthoffer ausgeführt, nachdem der bisherige Amtsinhaber Tamas Sulyok durch eine Verfassungsänderung abgesetzt wurde. Sulyok war von Magyars Vorgänger, dem Rechtspopulisten Viktor Orbán, auf den Posten gebracht worden. Das Parlament muss nun innerhalb von 30 Tagen einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin wählen.

Magyar hatte Polgár offenbar nicht vorab informiert und darauf gesetzt, dass sie das Angebot annehmen würde. Dies sorgte auch in den Reihen seiner Tisza-Partei für Kritik. Zwar erklärte die Fraktion im Parlament, die Kandidatur Polgárs unterstützen zu wollen. Einige Anhänger und Experten bemängelten jedoch, dass über die Besetzung des höchsten Staatsamts nicht länger und breiter diskutiert werde.

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Polgár gilt als weltbeste Schachspielerin der Geschichte

Polgár gilt als weltbeste Schachspielerin der Geschichte. Sie trat hauptsächlich bei Männer-Turnieren an und schlug Großmeister wie Garri Kasparow und Anatoli Karpow. Im Juli 2005 belegte sie Platz acht der Schach-Weltrangliste und ist damit bis heute die einzige Frau, die es unter die besten Zehn schaffte. 2014 beendete sie ihre Laufbahn im Spitzenschach. Seitdem widmet sie sich ihrer Stiftung, die Kinder und Jugendliche in logischem Denken und Problemlösungsfähigkeiten schult.

Ihre Nominierung für das Präsidentinnenamt hatte Magyar offenbar nicht mit ihr abgesprochen. Gegen alle Widerstände setzte sich Judit Polgár durch – in der Schachwelt und im kommunistischen Ungarn.

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