Putin attackiert Selenskyj auf Wirtschaftsforum – Russlands Wirtschaft unter Druck
Putin attackiert Selenskyj auf Wirtschaftsforum

Putin greift Selenskyj an – und lobt Russlands Wirtschaft trotz Drohnenangriffen

Auf dem Petersburger Wirtschaftsforum hat der russische Präsident Wladimir Putin den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj scharf attackiert. Gleichzeitig betonte Putin die Stärke der russischen Wirtschaft, obwohl Drohnenangriffe die Stadt Sankt Petersburg erschütterten. Von Jo Angerer, Freier Korrespondent

Der russische Präsident Wladimir Putin reagierte eiskalt auf einen Brief des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. „Enthält Elemente von Unverschämtheit“, so Putin auf dem Petersburger Wirtschaftsforum. Er fragte: „Ist das ein Weg, die Voraussetzungen für persönliche Treffen und Verhandlungen zu schaffen, oder ist es ein Weg, ein Umfeld zu schaffen, in dem persönliche Treffen tatsächlich unmöglich sind? Ich denke, Letzteres trifft zu.“ Selenskyj bedauerte die Ablehnung Putins: „Leider wählt die russische Seite erneut den Krieg“, sagte er in einer Videobotschaft. Putin hingegen forderte Abkommen statt leerer Versprechungen und rief den russischen Soldaten zu: „An die Arbeit, Brüder!“

Drohnenangriffe überschatten das Forum

Bereits am ersten Tag des Wirtschaftsforums waren nach einem Angriff auf eine Ölraffinerie schwarze Rauchwolken über der Altstadt von Sankt Petersburg zu sehen. Für die Besucher ein ungewöhnlicher Anblick. Der örtliche Gouverneur Alexander Drosdenko schrieb auf Telegram: „Gemäß den Empfehlungen des Einsatzstabs bitte ich die Einwohner von Sankt Petersburg, in ihren Wohnungen zu bleiben und nicht auf die Straße zu gehen. Es kann zu Unterbrechungen des mobilen Internets kommen.“ Zeitweise war der Flughafen wegen der Drohnenangriffe gesperrt, was die internationalen Gäste beeinträchtigte. In der Nacht auf Samstag, dem letzten Tag des Forums, wurden in Russland hunderte ukrainische Drohnen abgefangen. „Die Kampfhandlungen dauern an“, erklärte der Gouverneur.

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Putin räumt Schäden ein, bleibt aber optimistisch

Putin räumte in seiner Rede ein, dass die Angriffe einen „gewissen Schaden“ für die Wirtschaft verursachten. „Diese Attacken führen natürlich zu nichts Gutem“, sagte er. Eine Stärkung der Flugabwehr sei wichtig, Risiken für die Wirtschaft gebe es aber nicht. Das Petersburger Wirtschaftsforum, das es seit 1997 gibt, ist Putins Prestigeprojekt und soll die Stärke der russischen Wirtschaft demonstrieren. Doch die Realität sieht anders aus: Die russische Wirtschaft leidet unter hoher Inflation, die die Menschen spüren, und hohen Zinsen, die Investitionen verhindern.

Wirtschaftsdaten im Fokus

Putin versuchte, positive Akzente zu setzen: Die Staatsverschuldung Russlands liege nur bei 16 Prozent, während die Eurozone höher verschuldet sei. Die BRICS-Staaten spielten eine „Führungsrolle“ in der Weltwirtschaft. Die Inflation verlangsame sich, bis Ende des Jahres werde sie voraussichtlich 5,2 Prozent erreichen. Es gebe einen „Vorwärts- und Aufwärtstrend“: Die Industrieproduktion lege zu, der E-Commerce wachse, die Arbeitslosenquote sei mit 2,2 Prozent niedrig. Allerdings sind diese Zahlen schwer überprüfbar. Erst kürzlich hatte die russische Regierung ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum für 2026 von 1,3 auf 0,4 Prozent gesenkt. Für 2027 wurde die Vorhersage von 2,8 auf 1,4 Prozent halbiert.

Kriegswirtschaft stützt Russland

Russlands Wirtschaft lebt derzeit vor allem von der Kriegswirtschaft. Ein Ende des Krieges würde laut dem „Zentrum für makroökonomische Analyse und Kurzfristprognosen“ zu einer „teilweisen Demobilisierung, reduzierten Prämienzahlungen an Militärangehörige, einem Rückgang der staatlichen Rüstungsbeschaffung, einer Verringerung der Schichtarbeit und der Beschäftigung in der Industrie sowie reduzierten Gehältern für Arbeitnehmer“ führen. Russland setzt stark auf China und die BRICS-Staaten. Fast 50 Prozent des globalen Handelsumsatzes machten die BRICS-Staaten aus, so Putin. Wichtigster Handelspartner ist China, insbesondere der Ölexport ist gestiegen. Alexander Lukin, Direktor des russischen „Instituts für China und das moderne Asien“, betont: „China ist heute Russlands wichtigster strategischer Handelspartner.“

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Ölpreis und China als Stützen

Russland profitiert auch vom hohen Ölpreis durch den Iran-Krieg, was Geld in die Staatskasse spült. Aus China kommen Autos und Konsumgüter. Gleichzeitig sucht Russland Kontakte nach Europa: Erstmals gab es in diesem Jahr wieder einen offiziellen deutsch-russischen Wirtschaftsdialog unter dem Titel „Wie interagieren deutsche und russische Unternehmen im gegenwärtigen Umfeld?“.

Krieg und Vermittlung

Der Krieg im Nachbarland bleibt präsent. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte, man begrüße weiterhin die „guten Dienste“ der USA als Vermittler, sehe aber die Dinge nicht durch eine „rosarote Brille“. Die EU wolle derzeit keine neutrale Vermittlerrolle einnehmen, und Russland würde diese auch nicht akzeptieren. Ex-Bundeskanzler Gerhard Schröder traf sich im Kreml mit Putin, doch was besprochen wurde, bleibt unklar. „Es war ein Vieraugengespräch“, sagte Putins Präsidentenberater Juri Uschakow. „Ehrlich gesagt kenne ich die Details nicht.“ Ein Ende des Krieges scheint in weiter Ferne.