Berlin – Zoll, Landeskriminalamt und Bundespolizei haben am Dienstag in Berlin 39 Wohnungen und Gewerberäume durchsucht. Die Razzia richtete sich gegen den Verdacht des gewerbs- und bandenmäßigen Einschleusens von Menschen. Das bestätigte die Staatsanwaltschaft am Mittwoch auf Anfrage. Bei den 13 Verdächtigen handelt es sich nach Informationen des Tagesspiegels um Vietnamesen.
Verbindung zum Verschwinden vietnamesischer Schülerinnen
Die Ermittler vermuten, dass die Beschuldigten auch mit dem Verschwinden von fast 250 vietnamesischen Schülerinnen in Verbindung stehen könnten. Diese jungen Frauen hatten im Oktober 2025 unmittelbar nach Schuljahresbeginn ihre Ausbildung im Oberstufenzentrum Gastgewerbe in Berlin-Weißensee abgebrochen und waren spurlos verschwunden.
Schicksal der jungen Frauen ungewiss
Es ist weiterhin unklar, wo sich die Vietnamesinnen aufhalten. Einige von ihnen halten sich vermutlich in anderen europäischen Städten auf. Andere arbeiten wahrscheinlich in Berlin illegal und unter prekären Bedingungen in Nagelstudios, Imbissen oder Bordellen. Auf diese Weise versuchen sie, angebliche Schulden bei den Schleusernetzwerken abzubezahlen, die als Vermittlungsagenturen agieren.
Die Justizsenatorin Felor Badenberg (CDU) betonte: „Wer Menschen nach Deutschland schleust und sie zu schlechten Arbeitsbedingungen beschäftigt, greift nicht nur geltendes Recht an, sondern nutzt die Not anderer Menschen für den eigenen Profit aus.“
Ermittlungen wegen Lohnraubs und Betrugs
Gegen die 13 Verdächtigen wird nicht nur wegen Einschleusens ermittelt, sondern auch wegen mutmaßlichen Sozialversicherungsbetrugs und Vorenthaltens von Arbeitsentgelten in Imbissen und Restaurants – umgangssprachlich Lohnraub. Einige der in den Gastronomiebetrieben eingesetzten Frauen sollen unbestätigten Angaben zufolge zu den 250 ehemaligen Schülerinnen gehören. Bei der Razzia am Dienstag stellten die Behörden zudem Vermögen im Wert von fünf Millionen Euro sicher.
Badenberg erklärte weiter: „Organisierte Kriminalität lebt von ihren Gewinnen. Deshalb verfolgen wir nicht nur die mutmaßlichen Täter, sondern nehmen auch die wirtschaftlichen Strukturen dahinter in den Blick. Wer aus Schleusung, Schwarzarbeit und Sozialversicherungsbetrug Gewinne erzielt, muss damit rechnen, dass der Rechtsstaat diese Vermögenswerte sichert.“
Herausforderungen bei Ermittlungen
Das Berliner Landeskriminalamt ermittelt regelmäßig zu Menschenhandel, Schleusungen und Wirtschaftsdelikten vietnamesischer Netzwerke. Das Bundeskriminalamt wies bereits 2024 darauf hin, dass sich Ermittlungen in diesem Bereich oft schwierig gestalten, da die Opfer meist keine Aussagen zu ihrer Ausbeutung machen. Beim Anwerben in Vietnam spielen familiäre Kontakte eine Rolle. Die deutschen Vertretungen in Vietnam hatten zuletzt vor unseriösen Visa-Agenturen gewarnt, die für die Vermittlung von deutschen Ausbildungsplätzen hohe Beträge verlangen.



