Dasha Burns: Republikaner zeigen offene Kritik an Trump
US-Präsident Donald Trump sieht sich erstmals mit öffentlicher Kritik aus den eigenen Reihen konfrontiert. Dasha Burns, Leiterin des Politico-Büros im Weißen Haus und seit fast zehn Jahren Trump-Berichterstatterin, analysiert die Entwicklung.
Seit dem Ausbruch des Konflikts mit dem Iran hört Burns hinter den Kulissen von republikanischen Strategen, Abgeordneten und Trump-Vertrauten immer wieder dieselbe Botschaft: Sie waren bereit, dem Präsidenten Zeit zu geben und ihm Raum für seinen Kurs zu lassen. Doch fast alle fügten einen entscheidenden Satz hinzu: Er muss das schnell beenden. Diese Nervosität wird nun sichtbar.
Historische Resolution im Repräsentantenhaus
In dieser Woche verabschiedete das Repräsentantenhaus erstmals eine War-Powers-Resolution (Kriegsbefugnis-Entscheidung), die den Krieg mit dem Iran stoppen würde. Praktisch hat dies kaum Auswirkungen, symbolisch ist es jedoch bemerkenswert. Vier Republikaner stimmten gemeinsam mit den Demokraten – ein klares Signal in einer Partei, die Trump normalerweise fast geschlossen folgt.
Angst vor politischen Folgen
Seit Wochen berichten Republikaner in vertraulichen Gesprächen von ihrer Sorge vor den politischen Konsequenzen. Besonders jene, die mitten im Wahlkampf für die Kongresswahlen stehen, fürchten steigende Öl- und Benzinpreise und die Auswirkungen auf den Alltag der Amerikaner. Viele Verbündete des Präsidenten gingen von einer schnelleren Lösung des Konflikts aus. Stattdessen hören sie immer wieder dieselben Versprechen: Vielleicht nächste Woche, vielleicht am Wochenende, vielleicht steht ein Deal bevor.
Trumps umstrittene Aussagen
Je länger der Konflikt andauert, desto schwieriger wird es, diese Botschaften zu verkaufen. Trumps eigene Aussagen tragen dazu bei. Auf die Frage eines Journalisten, was eine Waffenruhe für ihn bedeute, antwortete Trump: In diesem Teil der Welt bedeutet eine Waffenruhe, dass man etwas gemäßigter schießt.
Das Dilemma des US-Präsidenten
Interessant ist auch die zunehmende Diskrepanz zwischen öffentlicher und privater Kommunikation. Öffentlich folgen die meisten Republikaner weiterhin Trumps Linie. Hinter verschlossenen Türen versuchen viele, das Thema Iran zu vermeiden und sprechen lieber über demokratische Gegner oder innenpolitische Themen. Denn eines ist klar: Dieser Krieg gehört politisch Donald Trump.
Der Präsident will nach wie vor einen Deal. Er möchte derjenige sein, der die Krise beendet und eine Einigung erzielt. Das ist die Rolle, in der er sich am wohlsten fühlt. Doch selbst einige seiner engsten Verbündeten zweifeln inzwischen daran, ob mit dem aktuellen Regime in Teheran überhaupt noch eine tragfähige Vereinbarung möglich ist. Darin liegt das Dilemma des Weißen Hauses.
Trump möchte keinen größeren militärischen Konflikt, da eine Eskalation innenpolitisch riskant wäre. Gleichzeitig wächst mit jedem neuen Angriff im Nahen Osten der Druck, härter zu reagieren. Die entscheidende Frage in Washington ist derzeit nicht, ob der Präsident einen Deal will – das tut er –, sondern was passiert, wenn er keinen bekommt. Und genau darauf hat im Moment niemand eine klare Antwort.



