Ein russisches Kriegsschiff hat am Montag nahe der britischen Küste eine Artillerieübung mit scharfer Munition durchgeführt, wie die BBC unter Berufung auf das britische Verteidigungsministerium berichtet. Die Fregatte „Neustraschimi“ wurde von der „HMS Tyne“ der Royal Navy nur 46 Meilen (etwa 74 Kilometer) südlich von Plymouth beobachtet. Auch ein französisches Militärflugzeug überwachte die Bewegungen des russischen Schiffs und nahm Funkkontakt auf, um die Absichten der Besatzung zu erfragen.
Russische Übung in internationalen Gewässern
Die Besatzung der „Neustraschimi“ teilte der Royal Navy mit, dass sie eine Artillerieübung durchführen wolle, und forderte die „HMS Tyne“ auf, sich zu entfernen. Wenig später feuerte das russische Schiff mehrere Salven ab. Die Schießübung fand in internationalen Gewässern statt und dauerte etwa 30 Minuten. Der Vorfall ereignete sich am Tag des Amtsantritts des neuen britischen Premierministers Andy Burnham, was von Experten als bewusste Provokation gewertet wird.
Reaktionen aus Militär und Politik
Der ehemalige Generalstabschef der British Army, Richard Dannatt, sagte gegenüber „Times Radio“: „Ich denke, das ist ein weiteres Beispiel für den aggressiven Charakter Wladimir Putins, der sich natürlich am deutlichsten in seinem Angriff auf die Ukraine gezeigt hat. Er will zeigen, dass Russland seine Muskeln spielen lassen kann. Und es ist kein reiner Zufall, dass dieses russische Kriegsschiff genau an dem Tag eine Schießübung mit scharfer Munition durchführt, an dem Andy Burnham Premierminister wird.“ Er ergänzte: „Das ist ein Signal des Kremls: ‚Wir sind da, und wir sind mächtig, wir sind stark – und was wollt ihr dagegen tun?‘ Es ist also als Herausforderung zu werten.“
Eine Insiderquelle aus der britischen Marine sagte dem „Telegraph“: „Es ist ziemlich ungewöhnlich, dass das russische Schiff eine solche Übung im Ärmelkanal durchführte. Obwohl es sich um internationale Gewässer handelt, ist der Ärmelkanal eine stark befahrene Schifffahrtsroute. Übungen wie diese würden normalerweise in offeneren Gewässern stattfinden.“ Die Quelle fügte hinzu: „Man könnte davon ausgehen, dass Russland versucht hat, uns herauszufordern. Sie wissen, wo die Grenze liegt, und sie fangen gerade erst an, etwas eindeutigere Übungen und Trainingsmaßnahmen einzusetzen, um uns daran zu erinnern.“
Einordnung in jüngste Vorfälle
Der Vorfall reiht sich ein in eine Serie von Begegnungen mit russischen Schiffen im Ärmelkanal. Erst im Juni hatte ein russisches Kriegsschiff Warnschüsse gegen eine britische Segeljacht abgegeben. Russland erklärte, das Segelboot habe sich der Fregatte „Admiral Grigorowitsch“ gefährlich genähert. Die britische Skipperin Jane Kelvey widersprach der russischen Darstellung und erklärte der BBC, sie hätten sofort auf Warnungen per Schiffshorn reagiert, als sie sich dem Kriegsschiff auf etwa 500 Meter näherten. Die Warnungen seien in kurzer Abfolge erfolgt, unmittelbar gefolgt von Schüssen aus Handfeuerwaffen.
Nur zwei Tage vor diesem Vorfall hatte die britische Marine im Ärmelkanal einen mutmaßlich zur russischen Schattenflotte gehörenden Öltanker geentert. Berichten zufolge eskortieren russische Kriegsschiffe Tanker der Schattenflotte durch den Ärmelkanal. Die jüngsten Aktivitäten werden als Teil einer strategischen Machtdemonstration Russlands gegenüber dem Westen gesehen, insbesondere im Kontext des Ukraine-Kriegs.



