Selenskyj entlässt Armeechef Syrskyj nach Protesten
Selenskyj entlässt Armeechef Syrskyj nach Protesten

Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj hat nach tagelangem Druck von Demonstranten den Oberbefehlshaber der Streitkräfte, Olexander Syrskyj, entlassen. Neuer Armeechef wird General Mychajlo Drapatyj, wie Selenskyj auf seinem Telegram-Kanal mitteilte. Die Entscheidung fällt mitten im Krieg mit Russland, der seit mehr als vier Jahren andauert.

Hintergrund der Entlassung

Selenskyj hatte zunächst trotz scharfer Kritik an Syrskyj festgehalten, nachdem er vor einer Woche den populären Verteidigungsminister Mychajlo Fedorow entlassen hatte. Der erst 35-jährige Fedorow machte daraufhin seinen Konflikt mit dem 60-jährigen Syrskyj öffentlich. Im Kern ging es um einen Richtungsstreit in der Kriegsführung: Fedorow setzte stark auf den Einsatz von Drohnen gegen russische Ziele, was im Westen viel Lob erhielt, während Syrskyj für eine konventionellere Militärtaktik stand.

Proteste in Kiew und anderen Städten

Sechs Tage in Folge demonstrierten in Kiew und anderen ukrainischen Städten mehrere tausend Menschen, vor allem junge Leute, gegen Fedorows Entlassung. Sie forderten seine Wiedereinsetzung und vor allem die Ablösung von Syrskyj. Aus Militärkreisen gab es jedoch auch offene Unterstützung für den scheidenden General.

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Selenskyj bedankte sich ausdrücklich bei Syrskyj und würdigte seine militärischen Verdienste. Angesichts der anhaltenden Proteste hatte der Präsident nach eigenen Angaben auf der Plattform X tagelang Gespräche mit Militärs geführt. Bereits am Samstag sagte er in seiner täglichen Videoansprache, dass er auf die Stimmen der Menschen höre und lange mit Fedorow und Syrskyj gesprochen habe. Am Dienstagabend folgte ein weiteres Gespräch mit Fedorow, wie Selenskyjs Sprecher Dmytro Lytwyn mitteilte. Zu Fedorows künftiger Rolle gab es zunächst keine Angaben.

Neuer Verteidigungsminister und Parlamentsbestätigung

Fedorows Posten als Verteidigungsminister hat am Freitag geschäftsführend der Geheimdienstler Jewhenij Chmara übernommen. Selenskyj muss Chmaras Kandidatur jedoch noch im Parlament einreichen und von den Abgeordneten bestätigen lassen.

Militärischer Werdegang von Syrskyj

Syrskyj war seit Februar 2024 Oberbefehlshaber der ukrainischen Streitkräfte. Der in Russland geborene Berufsmilitär machte sich vor allem bei der Verteidigung von Kiew und der erfolgreichen Gegenoffensive im Raum Charkiw im Jahr 2022 verdient. Fedorow hatte das Verteidigungsministerium seit Januar geleitet; zuvor stand er an der Spitze des Digitalisierungsministeriums, das 2019 geschaffen wurde.

Die Ukraine wehrt sich seit mehr als vier Jahren gegen die russische Invasion. Die Entlassung Syrskyjs erfolgt in einer Phase, in der das Land weiterhin unter massivem militärischem Druck steht.

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